1. FC St. Pauli 21

Es war eine kuriose Jahreshauptversammlung, von der man ggf. eines Tages von einer historischen sprechen könnte. Das lag weniger an dem nervösen Versprecher, den sich Ex-Präsident und designierter Ehrenpräsident Corny Littmann leistete, als er unseren Verein zum “1. FC St. Pauli” machte, sondern an der Diskrepanz, die sich zeigte, als die Mitglieder, gerade die aus der organisierten Fanschaft die Wahl hatten, die Wahl zwischen einer symbolischen Abrechnung mit Littmann und der Korrektur einer Kommerzialisierung der Haupttribüne, das “Meeske-Loch”, das bei allen Heimspielen diese Saison sich immer wieder auftut, wenn zur 2. Halbzeit angepfiffen wird.

Aber der Reihe nach.

Abstimmungsbier

Corny Littmann sprach nach seiner Entlastung, und wie. Nervös kam mir der Theater- und Medienprofi vor, er ahnte wohl schon, was da kommen würde. Er sprach natürlich von den vielen Problemen bei der Sanierung das FCSP und -das war erstaunlich- von Fehlern und Gelerntem, das er seinen Kritikern quasi als Brücke darbot. Man hätte nur rübergehen müssen, stattdessen verließen rund 30 Mitglieder, die ich in die Nähe der USP verorte, demonstrativ den Saal1 des CCH. Das hatte wenig mit Auseinandersetzung und Kultur zu tun. Genausowenig, wie das Zurückziehen auf formale Satzungsdiskussionen anschließend, die formal darin gipfelten, dass die JHV über den Tagesordnungspunt als solchen abstimmte und nun gerade diejenigen, die Corny Littmann zum Ehrenpräsidenten wählen wollten, sich genötigt sahen, wenigstens die Abstimmung zu vertagen, als ein knappes Ja oder Nein zu riskieren. Ich war ehrlich hin und her gerissen, hätte aber gerne heute Abend das Thema geklärt. Corny Littmann wurde dann von der Tagesordnung genommen, was vorne rechts – genau hinter ihm, laut bejubelt wurde. Soweit schon aufregend. Die aus meiner Sicht wichtigste Abstimmung hatte sich die JHV aber für den Schluss aufgehoben: Den Antrag auf Rückbau der Business Seats.

Nach der Littmann-Pleite und weiteren Anträgen, war die Hälfte der stimmberechtigten Mitglieder schon wieder zuhause, als der Vorstand versuchte zu “erklären”, weswegen der Rückbau der Business Seats “den Verein in horrende Schwierigkeiten” brächte – und hier passierte etwas historisches. Der eben gewählte Vorstand des “non-established” FC St. Pauli argumentierte genau auf der Linie von Mappus und den Politikern der CDU und Bahn in Sachen Stuttgart 21 und keiner merkts. Nebenbei droht man noch mit “Nachteilen” für die Behinderten-Plätze und bügelt Nachfragen mit einer Rocker-esken Drohung ab, der Rückbau würde 400-500 Tsd-Euro-Löcher reissen, ohne das auch nur im Ansatz darzulegen. Ich ahnte ja schon, was für eine Attitude da vorne sitzt, aber dass weite Teile der Mitglieder, die eben noch den Symbolsieg über Corny Littmann bejubeln, sich bei einer solchen Abstimmung enthalten, ist mir ein Rätsel. Wird das nicht verstanden, um was es da geht? Oder wirken da schon Machtkonstellationen an diesem Verein, die anderswo schon wirken – wir geben euch euer Business-Opfer und eure Süd “zurück” und dafür …? Wir haben über diese Frage noch schnelle drei Biere lang gesprochen und ein wenig fühlte sich das an, wie am Samstag, nur dass Bayer Leverkusen nun mitten im braun-weißen Herzen sich manifestierte.

Diese Ehrenpräsidentschaft so hoch zu hängen, als hätte man keine anderen Probleme im Verein, ist andererseits ja ein gutes Zeichen. Anscheinend haben wir keine, dann muss man eben solche Dinge hochkochen.

… schreibt Jekylla drüben, und mir wäre sehr viel wohler, wenn es stimmte. Tut es aber nicht, da ist etwas faul. Meine Hoffnung ist ja, dass der Verein und das, was den magischen FC ausmacht, zwei (in wichtigen Teilen) verschiedene Organisationen sind.

Der Autor gehört übrigens zum “Club der 39”, die diesen Präsidenten nicht gewählt haben.

33 Replies

    • Ich habe das schon verstanden, dass Du das aus der Ferne erst retardiert wahrnehmen konntest – in unserer Analyse sind wir drei einer Meinung gewesen – und ziemlich konstaniert.

    • Das kann ich sehr gut verstehen, bin mittlerweile aus erster Hand auch im Bilde.
      Was kommt jetzt nach der Konsternierung?

    • … vielleicht die Hoffnung auf den Rest der Fanschaft, die nicht “organisiert” oder wenigstens nicht im Verein organisiert ist.
      … der Antrag auf Studentenrabatte ohne Altersgrenze war ja schon ein kleines Placebo …

  • über die verzichtbaren corny scharmützel und rausgehen bei nicht genehmen rednerbeiträgen kann ich noch müde lächeln. aber wenn ich mit ansehen muß, wie gruppen ihre grundsätze verraten und sich eiskalt für die kommerzialisierung im fußball ihre hand erheben, dann ist schluß mit lustig. diese gruppierung ist unglaubwürdig geworden und hat alle bemühungen dem kommerz einhalt zu gebieten ad absurdum geführt.

  • Sorry, Arik, aber das ist immer noch die JHV eines ordentlich eingetragenen Vereins, der nach gewissen Regeln spielt und eine Satzung einzuhalten hat. Und auf so einer JHV kann jedes Mitglied Anträge stellen, wenn diese fristgemäß eingereicht werden. So weit, so gut.
    Wenn aber dann bei der Behandlung des Antrags der Antragssteller gefragt wird, ob er seinen Antrag begründen will, so hat dieser (gerade in einer Frage, bei der mit Gegenwind des Präsidiums rechnen muss) seinen Hintern zu heben und am Mikro seine Position zu erläutern, greifbar zu machen, dafür zu kämpfen. Gelangweilt sitzen zu bleiben und “Mach Du mal…” zum versammlungsleiter zu sagen, hilft dem Antrag nicht wirklich.
    Hier hätten Zahlen auf den Tisch gehört, hier hätte nochmal erklärt werden müssen, was U8 und U9 war… sowohl faktisch (Anzahl der Plätze, Position auf der ehemaligen Haupt, Reihenanzahl) als auch emotional und für die Bedeutung der Stimmung auf der Haupt.
    Kam aber nicht… nicht einmal, als das Präsidium mit fadenscheinigen Statistiken versuchte, gegenzulenken. Und ganz ehrlich: Da muss der Antragssteller besser vorbereitet sein, dann kann man Meeske und Stenger da die eigenen Zahlen um die Ohren hauen, in dem man die Anzahl der Plätze, die jeweiligen Preise gegeneinander aufrechnet und dann eben feststellt, dass es niemals 400.000 – 500.000 Euro sein können, die da fehlen.

    Der Antrag mag noch so richtig sein, er war handwerklich einfach schlecht vorbereitet, er wurde desaströs präsentiert… und wenn man damit dann nicht einmal USP überzeugen kann, die nun wirklich alles andere als Freunde der Business Seats sind, dann sollte man die Schuld eben bei denjenigen suchen, die dafür verantwortlich sind… und nicht bei denen, die demokratisch (und sachlich) dafür oder dagegen gestimmt haben.

    • Das ist formal sicher richtig, aber emotional falsch (imho). (und USP waren ja nicht die Einzigen, die siv enthalten oder dagegen gestimmt haben) Aber politisch doof war es trotzdem, gerade wenn man kommerzkritisch sich auf die Fahnen schreibt und den Ex-Präsidenten so abkanzelt. Verstehe ich nicht, da kann man sich doch nicht hinter der Unerfahrenheit oder Nervosität eines Antragstellers verstecken, wenn der Hellmich Behindertenplätze gegen unverkaufte Business-Seats aufrechnet. Ich gebe ja gerne zu, dass ich mich auch nicht getraut habe, ans Mikro zu treten, aber bei der Abstimmung war mir schon klar, dass ich dagegen stimmen muss, wenn ich am Sonnabend “aufessen” singe!

  • Jetzt auch noch Anträge und Antragsteller konsumieren wollen – bitte, bereite mir Dein JHV-Statement auf wie ein Lachshäppchen.

    Jeder, der sich auch nur halbwegs rund um den Verein auf dem Laufenden hält, wusste doch, worum es geht, und das kann man von stimmberechtigten Mitgliedern ja wohl erwarten. Allein die Reaktion von Stenger hätte vollauf gereicht, dem Antrag schon aus Prinzip zuzustimmen, wenn man auch nur irgendwas von Demokratie hält. Was für ein übler Auftritt.

    Aber wenn man sich darin bescheidet, annähernd boulevardesk sich auf Menschen, Corny, einzuschießen, anstatt sich mit Strukturellem, Herrschaftsarchitektur der Haupttribüne mit besten Blick auf die Politfolklore der künftigen Gegengeraden, um ideologischen Ablasshandel für Deutsche Bank-Karrieren zu legitimieren, zu beschäftigen, wir eben ALLES zum Che Gue Vara-Flaggen-Schwenken ohne jeden ernst zu nehmenden Hintergrund.

    Aber der Antragssteller war natürlich zu schwach. Praktisch. Dann hat man ja wieder eine Person entdeckt, statt sich mit der Sache zu beschäftigen.

    Ja, ich weiß, dass ich das gerade an eins der profiliertesten Fanzines schreibe und somit jemanden, der sich ansonsten den Arsch aufreißt, Gegenöffentlichkeiten zu schaffen. Dafür Entschuldigung. Passte nur gerade.

  • damit es irgendwie paßt, bekommt der antragsteller die schuld in die schuhe geschoben.

    ich bin mir sicher, die wahren beweggründe für die ablehnng dieses antrages werden noch ans tageslicht kommen.

    • Moin Christian, natürlich nicht, gerne, wenn es der Diskussion dient immer verlinken. Das zum formalen hier im Blog. Nun zum Inhalt Deines Kommentares, den ich hier dann nochmal in Auszügen zitiere:

      “ist das nun ehrliche Empörung oder ein von Taktik getriebenes Aufbauschen einer Sache, die von den meisten “Kritisierten” als Nebensächlichkeit begriffen wird?”

      — ich bin ehrlich konsterniert. Selbst wenn man dem Antrag mit Desinteresse entegengesehen hat, muss man doch spätestens nach der S21-Argumentation (Wir haben das ordentlich geplant und entschieden, da geht jetzt nichts mehr) und lustlosen Abwehr von Meeske (4 oder 500tsd) sowie der Verquickung von Behindertensitzen mit diesem Antrag merken, was da vor sich geht.

      “Dabei warst du nichtmal dort und hast alles nur erzählt bekommen”

      — nun, ich war dort.

      “Passt es noch irgendwie ins Bild, dass in den kritisieren Zusammenhängen bis zur JHV kaum ein Wort über den Antrag gesprochen wurde und er kaum beachtet wurde?”

      — Das bestreite ich:
      »Wie auch die Mitglieder am Tag darauf im Saal 1 des CCH, wenn Versammlungsleiter Felix Wanke um 14 Uhr die Jahreshauptversammlung eröffnet. Neben der Legitimation des bisher kommissarisch eingesetzten Präsidiums um Stefan Orth, stehen neun Anträge zur Abstimmung, von denen mindestens zwei intensiv diskutiert werden dürften. So will Jens Feldhusen, der sich am Montag neben zwölf anderen Kandidaten auch für den siebenköpfigen Aufsichtsrat bewirbt, erwirken, “dass der Verein auf der Haupttribüne die Blöcke U8 und U9 umgehend, allerdings spätestens bis zum Beginn der Saison 2011/2012, wieder einrichtet und hierzu seinen maßgeblichen Einfluss auf die FC St. Pauli Stadion Betriebsgesellschaft geltend macht.” Dass diese tatsächlich Millerntor-Stadion-Betriebsgesellschaft heißt, ändert nichts daran, dass ein entsprechendes Votum bindend wäre und die Umwandlung von finanziell lukrativen Business-Seats in preisgünstige Sitzplätze zur Folge hätte. Bestehende Verträge mit Mietern müssten gebrochen oder ebenso verändert werden wie die Modalitäten der Kredittilgung beim Stadionneubau. — Hamburger Abendblatt vom Sonnabend«

      “Dass auch Leute aus dem “USP-Block” für den Antrag stimmten?”

      — ja, das habe ich wahrgenommen. Ich adressiere als Person auch nur Personen. USP als Ganzes steht hier nie zur Debatte – ;)

      “Der aktuelle Stand zum Südkurvenkonzept und zur Ticketvergabe ist, dass USP nach den Respektlosigleiten des alten Präsidiums keinerlei Interesse daran hat, es in der bekannten Form forzuführen. Was das neue Präsidium nun dazu für Pläne hat und wie es weitergehen kann ist völlig offen und hängt davon ab, wie das Präsidium sich verhält.”

      »» Oder hängt es davon ab, wie die Süd sich verhält?

  • Diese Reduktion auf Eigeninteressen – “Süd”, “Stehplatz” – ist ja das Problem. Samstag hampelte irgendein Jungspund mit gutem Friseur die ganze Zeit vor einem schwer übergewichtigen Rentner herum, der gerade einen Herinfarkt hinter sich hat und seit Jahrzehnten auf der Haupttribüne sitzt. Der bat ihn, sich hinzusetzen, weil er schlicht nicht lange stehen kann und was sehen wollte – und wurde 10 Minuten lang angepöbelt, man wolle ja Stimmung machen … fand ich symptomatisch. Solidarität sieht anders aus.

    Krönende Pointe freilich ist die, dass Corny als Geschäftsführer der Stadionsbetriebs GmbH zum Thema Buisness-Seats nun durchaus anzukacken gewesen wäre. Nö, stattdessen wird fröhlich ignoriert, was zu kritisieren wäre, und sich auf ihn als Person eingeschossen. Unglaublich.

  • “Oder hängt es davon ab, wie die Süd sich verhält?”

    Die Implikationen dieses Zaunpfahlwinkens sind mir schon klar und hätten gar keiner deutlicheren Betonung mehr bedurft. :-)

    Aber die Frage ist doch, ob das stimmt und da finde ich die gezogenen Schlüsse doch sehr pauschal und voreilig – USP jetzt indirekt für das Fortbestehen von Business-Seats verantwortlich zu machen ist doch in der Tat ein wenig unfair, denn seit Anbeginn der Bauphase wird ständig die hohe Quate an Hospitality-Plätzen massiv kritisiert. Ich denke, alle Leute haben sehr wohl verstanden, worum es geht und ja, die Verquickung mit den Behindertenplätzen von Meeske war entlarvend.

    “kaum ein Wort zu dem Antrag” – gemeint ist USP. Es wird suggeriert, dass USP da eine vorher abgesprochene Rolle spielt oder etwas böswilliger gesagt: spielen sollte. Das stimmt nicht. Die entsprechenden Vereinsmitglieder haben sich das angehört und dann eben aus den verschiedensten Motivationen heraus entschieden.

    Übrigens: mein Hinweis “du warst nicht dort” sollte kein Argument werden. Natürlich hat man Leute, denen man vertraut, aber es hat sich mal wieder bewiesen, dass eben doch Informationen verloren gehen. “Geschlossen raus”, “alle haben das und das gemacht”… das stimmt ja nun rein faktisch und ohne Bewertung nicht. Daher mein Einwand in Hinblick auf die Pauschalität der Schlüsse und Vorwürfe. Ich finde es sehr legitim, wenn man aus privaten Gründen nicht überall dabei sein kann.

    • Ja ich weiß, vergessen wir den Zaunpfahl. Natürlich gebe ich nicht USP “die Schuld” an der Abstimmung, aber die Diskrepanz zwischen antikapitalistischer Folklore und Abstimmungsverhalten, zwischen Corny-Popanz und struktureller Kritik ist doch hier gerade sehr augenfällig.

      “Geschlossen raus” – das kam mir aber schon so vor, dass bei der Rede Cornys die Reihen, die ich als USP wahrgenommen habe sich blockartig lichteten.

    • Man hätte den Ausmarsch wohl besser fotografiert, um zu dokumentieren, aber mit Fotos ist das ja so eine Sache…
      Im Ernst, ich denke schon, dass ich der Einschätzung eines nicht unter Rauschmitteln stehenden Freundes vertrauen kann, der mir sagt -wie Erik oder andere- dass sich die Reihen in diesem “Bereich” abrupt extrem lichteten (sodaß der Eindruck erweckt wurde, das sei geschlossen) und nachher wieder abrupt füllten.

      Und was das Abschieben der Verantwortung auf den schlecht vorbereiteten Antrag angeht: Schuldigen suchen, gefunden, vom eigentlichen Problem ablenken.
      Nun hat sich der Vorstand in seiner Argumentation GEGEN den Rückbau auch nicht mit Ruhm bekleckert, das hätte man deutlich besser tun können und zwar so, dass ich sogar den Eindruck gehabt hätte, dass kommerzkonträre Geister der Argumentation würden folgen können. So allerdings wirkt auch das schal.

  • @Jeky: Es waren (geschätzt) 100 USPler in besagtem Block und (geschätzt) 30 standen auf und gingen. Kann man albern und unnötig finden, nach der Rede kann man aber definitiv sagen, dass sie nichts verpasst haben. Unter westeuropäische Höflichkeitsformen fällt das Verlassen sicher nicht, aber da muss Herr Littmann eben auch sich selbst hinterfragen, wie er mit Fangremien im Allgemeinen und mit USP und Fanladen im Besonderen umgegangen ist und ob er daher diese Höflichkeit verdient hat. Und eben diese Frage kann dann nur jeder für sich selbst beantworten. Fakt ist: Die Mehrheit der USPler blieb da, aber es standen schon einige auf, ja.
    Zu “Schuldigen suchen, gefunden, vom Problem ablenken”:
    Wo ist denn das “Problem”? Dass wir jetzt weiterhin kein U8 und kein U9 haben? Ich wiederhole mich: Mir (und eben auch der absoluten und überwiegenden Mehrheit) wurde gestern nicht vermittelt, warum dies notwendig und sinnvoll ist. Die Argumentation des Präsidiums und von Meeske war schwach genug, um sie zu entlarven, dies fand aber nicht statt…
    Und insofern hat die demokratische Mehrheit gestern entschieden, dass die Plätze nicht zurückgebaut werden.

    Und nochmal: Ich bin (ebensowenig wie USP) kein Freund der Business Seats… grundsätzlich hätte ich mir also gut vorstellen können, diesem Antrag zuzustimmen. Aber eine derart inhaltsschwere Entscheidung wie bauliche Veränderungen an einer frisch gebauten Tribüne fallen für mich in erster Linie ins operative Geschäft, für das gewählte Vertreter wie das Präsidium oder eben Angestellte wie Herr Meeske, Vierkant oder Helbing verantwortlich sind. Die JHV ist zwar das höchste Organ und kann diese Personen überstimmen, aber eben aus meiner Sicht nur, wenn es wirklich ganz triftige Gründe gibt, gegen deren Willen und Überzeugung zu handeln. Und eben diese Gründe waren für mich weder vorher klar, noch wurden sie gestern vermittelt.
    (Ja, wir haben generell zuwenig “normal” bezahlbare Plätze und zu viele Business Seats… aber in die Richtung zielte der Antrag eben nicht bzw. wurde nicht derart argumentiert.
    Und selbst wenn meine Wenigkeit (und Umfeld) und USP geschlossen FÜR den Antrag gestimmt hätten, wäre er immer noch abgelehnt worden, da war das Meinungsbild schon sehr eindeutig. Und das muss sich dann eben der Antragssteller ankreiden lassen.

  • Nein, das müssen sich die ankreiden lassen, die sich von denen im “operativen Geschäft” einschüchtern lassen – und natürlich ging es um “zu viele Buisness-Seats”.

    • @Momo: Nein, ging es nicht… lies Dir bitte den Antrag nochmal durch, so wie er gestellt wurde. Da wird gefordert, die Blöcke U8 und U9 wieder einzurichten, nicht mehr, nicht weniger.
      Das kann heissen, dass es zugunsten dieser Plätze weniger Business Seats gibt. Kann aber auch heissen, dass die Business Seats von da unten einfach ein bißchen zur Seite wandern und dafür bisherige “normale” Haupttribünen-Sitzplätze weichen. Im Antrag steht ja nicht mal, dass diese U8 und U9 Blöcke preisgünstiger als die normalen Blöcke sein sollen.
      All das kann man zwar hineininterpretieren, muss man aber nicht. Und Anträge an die JHV müssen sowas eben mit berücksichtigen.

      Ich wiederhole mich hier gerne: Das war einfach handwerklich schlecht vorbereitet. Für einen derartigen Eingriff ins operative Geschäft müssen da mehr und bessere Argumente auf den Tisch.

  • Mit mir will ja immer keiner telefonieren, weil ich so vehement und brachial bin :-D … daß Buisness-Seats zugunsten eines normalpreisigen U-Bereiches weichen, das war ja mehr als offenkundig, und entsprechend fielen ja auch die Reaktionen der BWLer-, Banker und Juristen auf der Bühne aus. Die mich am meisten geärgert hat. Die Rhetorik kenne ich nun in- und auswändig.

    Manchmal glaube ich tatsächlich, daß unsere Youngster einfach zu studentisch sind und somit latent realitätsfern. Sach ich mal als innerlich ewiger Student mit 17 Jahren Erfahrung in der Realwirtschaft.

    • @Momo: “unsere Youngster” bezieht sich wieder mal auf USP… warum immer dieses Lagerdenken?
      Ich bin 34, zähle nicht zu USP, fühle mich nicht als Youngster, halte mich aber für einigermaschen kritisch und vereinspolitisch interessiert und haben NICHT für den Antrag gestimmt.

      Und “latent realitätsfern” finde ich nach wie vor, auf einer neuen Haupttribüne billige Plätze Höhe der Mittellinie zu wünschen, dieses nicht zu begründen und sich dann zu wundern, wenn man demokratisch überstimmt wird.

  • diese verzweifelte schönrederei…unbezahlbar.

    ich bin immer sehr dankbar wenn ich zugegen sein darf wenn masken fallen und sich anwesende diskreditieren.
    Man sollte danach auch nicht lamentieren, sondern dies als chance begreifen, das man nun wieder etwas klarer sieht wer wo steht.

    • @sparschaeler:

      Das habe ich (ganz ehrlich!) nicht verstanden? Welche Masken meinst du und welche Schönrederei? Hast du nicht das Gefühl, dass sich im Verein nun in vielerlei Hinsicht wieder etwas bessern kann und sich einige Dinge entwickeln können – trotz nochmal durch Herrn Littmann aufgerissenen Gräben. Ich denke, gestern war ein guter Tag für den FC St. Pauli und das Verhältnis zu seinen Fans und möchte auch Momorulez etwas widersprechen. Ich denke, wir haben nun die Option auf einen ganz guten Weg, was die Identität und das, was wir uns vom FC wünschen. angeht.

    • “Hast du nicht das Gefühl, dass sich im Verein nun in vielerlei Hinsicht wieder etwas bessern kann und sich einige Dinge entwickeln können”

      Ich wurde zwar nicht gefragt, aber ich erlaube mir dennoch ein klares Nein.

  • »“latent realitätsfern” finde ich nach wie vor, auf einer neuen Haupttribüne billige Plätze Höhe der Mittellinie zu wünschen«

    Ich würde mir sogar wünschen, dass unverkaufte Business Seats, anstatt für 99,- EUR “verramscht” zu werden, an Hartz4-Empfänger gehen, zu ermäßigten Stehplatzpreisen womöglich, oder ganz gratis. Das wäre einer Haupttribüne am Millerntor würdig. Dann kämen nämlich die wahren Konflikte mal an den Tag, wenn die besoffenen Bänker (fast hätte ich Punker geschrieben;) auf die von ihnen Regulierten treffen. -> ich habe den Antrag als ersten Schritt in diese Richtung verstanden, und unser Präsidium wohl auch.

  • @Frodo:

    Das bezog sich nicht auf USP, sondern eben allgemein die jüngere Fan-Szene. Ich bin meinerseits echt lagerfrei, was Vereinsfraktionen betrifft, setze immer sehr große Hoffnungen in den Nachwuchs und habe allergrößte Sympathien für USP – trotzdem ich Corny in vielerlei Hinsicht auch sehr bewundere, in anderen Hinsichten kritisch sehe. Insofern bin ich schlicht enttäuscht, kommt ja auch mal vor im Vereinsleben.

    Ich halte das für keineswegs naiv. Das ist nun auch ein Erfahrungswert, dass man gerade in Fragen der Budgetgestaltung nicht glauben sollte, was die BWLer, Banker und Juristen einem erzählen.

    Ich wittere eher eine Vorstellung im Kopf des Präsidiums, was die Zukunft des FC St. Pauli betrifft, die sich nicht mit dem deckt, wofür dieser Verein meiner Ansicht nach immer noch steht. Der sich gestern verstärkt hat.

    Dass Du persönlich hochengagiert und im positiven Sinne meinungsfreudig bist, das weiß ich doch.

Ergänze