450 ppm. – irgendwann im Frühsommer 2020 geht die Welt unter

Reblog: Copenhagen

In 13 Jahren geht die Welt unter, die wir kennen. So oder so.
Wir haben die Kündigung für unser Zimmer in der großen Wohngemeinschaft erhalten, wegen zu häufigen Störens. Nie haben wir den Dreck, den wir gemacht haben auch wieder abgebackt. Nie den Müll runtergebracht. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Wir haben ihn nur immer neben den Mülleimer gestellt. Nach uns die Sintflut.

Ich habe auch schon öfter die Wohnung gewechselt, die Gegend, die Stadt. Komischerweise lebt man bis zum letzen Abend wie schon die Jahre zuvor. Man kauft beim Bäcker um die Ecke zwei Croissants und flucht jeden Abend über die Parkplatznot. Am Tag der Wohnungsübergabe wundert man sich dann ein wenig über sich selbst. Wie selten man doch an diesen Augenblick gedacht hat, vor lauter Alltag.

Der Nachbar, der immer morgens heiß badet und dabei mit seinem Popo auf der Emaille herum quietscht, der muss nun 2020 mit einem Ausziehen. Ob er will oder nicht.

Noch sträuben wir uns, geben dem Alltag und der Gewohnheit nach. Auch der Gewohnheit, bei drohenden Katastrophen uns mit Popmusik betäuben zu lassen. Ein globales singen pfeifen im lichten Walde.

Eigentlich ist Gewohnheit eine gute Eigenschaft. Sie hilft, uns an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Irgendwann gewöhnen wir uns an alles, auch den morgendlich quietschenden Nachbarn über uns.

Der Todfeind der Gewohnheit ist die Zeitnot. Die Frequenz mit der Zyklen nun durchlaufen, ist einfach zu hoch. Wir müssen uns wohl warm anziehen, denn unser dickes Fell schützt nicht mehr. Immerhin, wir haben noch 13 Jahre Zeit uns daran zu gewöhnen, ausziehen zu müssen. Punkt 450 ppm ist es soweit, irgendwann im Frühsommer 2020.

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