AFC St. Pauli

Der Alternative Fußball Club oder “A Fan’s Club” St. Pauli ist eine glatte Drohung. Hervorgegangen aus der Depression der Pioniere, die ihre Werte, das Kapital des Vereins FC St. Pauli, nicht gewahrt, sondern auf dem Altar des Profifußballs verramscht sehen. Von einer Clique, in der man nur doof und geltungssüchtig genug sein muss, um einen Bundesliga-Verein zu leiten. Als in diesem Dezember wieder einmal das Fass überzulaufen droht und uns nicht der schillernde Corny Littman verraten hat, sondern der slicke Meeske, “einer der es beim HSV nicht schaffte” hat ihn ein Bekannter mal skizziert, einer aus der dritten Garde der bundesdeutschen Fußballmanager, kam sie wieder auf, die Diskussion über das Abwandern nach Altona oder das Gründen eines alternativen Vereins nach dem Vorbild des United of Manchester, der ja ausgerechnet uns die Aufwartung machte zum 100. Geburtstag. Und diese Warnung ist real. Wahrscheinlicher und unheimlicher, als sich Uli Hoeneß und andere beim DFL-Stammtisch oder in ihren Vereinen das vorstellen können. Denn tatsächlich lebt der Mythos FCSP – und alles sich vermarktende – von seinen aktiven Fans*. Ich war lange nach meiner aktiven Zeit aus dem Verein als Gebilde ausgetreten, weil ich ihn als Sportclub betrachtete, in dem ich nun nicht mehr aktiv spielte. Aktives Fußballleben, das tat ich wochenends mit dem Jolly Roger – dem Freiraum im Freibeutertum, das mich seit 2005 wieder an das Millerntor zieht. Nun wähnte ich mich wieder näher dran, ich wollte wieder mitgestalten, auch den Verein (bspw. auf der JHV) – und trat deswegen im April 2010 wieder ein.

Und das alles nur, um 2011 wieder auszutreten? Wenn es eng wird auf dem Zeckenhügel des AFC ( des neuen oder bei Altona 93 :) dann wird sich Meeskes Team entschieden haben: Susi oder wir

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Noch so ein Unwort. „Aktive Fanszene“, alleine schon weil sie so facettenreich ist, wie sie widersprüchlich ist. Sie wird in wenigen Fragen einen Konsens finden, sie reicht von Ultra bis Oldtra (wobei die gleichnamigen Gruppen keinen Widerspruch bilden). Nur eines ist ihr gemein: Sie ist in Deutschland einzigartig. Sei dies in ihrer Diskussionskultur, in ihrem Respekt untereinander, sei es in ihren politischen Werten oder sei es in ihrer Verbundenheit zum Verein (ha, ich habe das Wort „Treue“ vermieden). Auch hier viele Diskussionen im einzelnen, aber Leute, ich habe lieber Leute, die Abschiebeknäste in drastischer Sprache zum Thema machen, als Leute, die ihren beschissenen unpolitischen Nihilismus nach außen tragen und meinen, dass Hauptsache doch der Fußball sei. Nein, ist es nicht. Politik ist einfach das, was uns alle angeht. Fußball ist ein netter Zeitvertreib.

Und genau dies ist eine der Erkenntnisse, die den FC St. Pauli besonders macht, sie macht vieles aus, was hier entstanden ist und prägt den besonderen Verein. Ja, das tut manchmal weh und wer jemals linke Politik betrieben hat, der weiß um die Diskussion im Detail, der weiß um die vielen Schattierungen und um die Widersprüchlichkeit. Glaubt ihr denn, dass in einem unpolitischen Verein, einer Allerweltsszene sich immer wieder neue Leute jeglichen Alters gefunden hätten um die Plätze im Stadion zu füllen?