Atravesan, in Ottensen stirbt das Alteingesessene Gewerbe und auf Punkerhäusern weht der HSV

no pasaran

“No Pasaran”. Seitdem ich nachdenken kann prangt der Schlachtruf der spanischen Widerstandskämpfer an der Häuserfassade eines ehemals komplett besetzten Hauses an der Einfallsstraße nach Ottensen. “Sie kommen nicht durch”.

Inzwischen sind “sie” aber kräftig dabei durchzubrechen (span. atrevasar), langsam durchzusickern und dabei den Charakter dieses Stadtteils nachhaltig zu verändern. Zu zerstören, wenn man es aus der Perspektive des Alteingesessenen betrachtet. Man erkennt, was mit einem Stadtteil passiert, wenn er hip wird und die Mieten, vor allem auch die gewerblichen, der nach Lust und Zerstreuung gierenden Galaotrinkerschar folgen.

Wie vieles in diesem Stadtteil zuvor, stirbt diese Bastion langsam, kaum merklich. Zuerst war es die Altonaer Blume, eine Wegmarke auf dem Weg aus der Innenstadt, wenn man mal wieder spät dran war und schnell noch die passende Entschuldigung am Ottenser Marktplatz abholen wollte. Dann folgte im letzten Herbst das Wäschestübchen und mit dem Beginn dieses Jahres die Orthopädische Werkstatt von Paul E. – alle geschlossen.

Richtig melancholisch kann das einen machen.
Die HSV-Flagge auf dem ersten Balkon des ehemaligen Punkerhauses ist zwar noch klein und dezent, und neben ihr weht, wie ein Gegenzauber eine “Altona 93”-Flagge. Aber stechen tut der Verlust dieser lokalen Werkstätten schon und das Symbol der Juppisierung ärgert, auch wenn ich selbst nur ein Zugezogener bin.

2 Replies

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *