Martensteins Südafrika

»Ich bin schon ein paar Mal in Südafrika gewesen, aber jedes Mal brauche ich ein paar Tage, um mich an die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute zu gewöhnen. Zuerst denkt man, sie machen sich lustig über einen, oder sie wollen etwas. Man denkt: Irgendwas stimmt hier nicht. Dann ist man beschämt. Man selber ist ja bei Weitem nicht immer so nett wie ein Südafrikaner. Wenn alle Menschen Südafrikaner wären, dann wäre dies eine bessere Welt.«

Das ist die eine Seite.

… und Martenstein entdeckt an sich auch noch eine andere.

taz pinkelt ins Berliner Nest

“Was der politische Journalismus dagegen der Politik ungeprüft durchgehen lässt, das sind beispielsweise die vielen gängigen dümmlichen Deutungsmuster: Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Jeder kann nur das ausgeben, was er zur Verfügung hat. Steuererhöhungen schaden dem Wachstum. Mit solchen Irreführungen werden politische Weichen gestellt. Sich damit auseinanderzusetzen, dafür fehlt natürlich die Zeit.”

taz, 13.6.2010

Innerer Reichsparteitag und post-kolonialistische Lärmempfindlichkeit

“Das war für ihn wohl ein innerer Reichspateitag” – schwelgt ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im 2. Tor der DFB-Elf – genauer, lt. Meedia (Youtube Link), mit dem Satz: „Das ist für Miro Klose doch ein innerer Reichspartetag, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.“

Das habe ich ehrlich überhört. Lese das jetzt erst. Finde das auch nicht schlimmer, als das systematische negieren von afrikanischer Fußball-Kultur in Form von Vuvuzelas.

Meine Meerjungfrau

Sie machen einem gar die Liebe schwer.
Ich liebe doch. Und liebe viele sehr.
Nu hab ich mich mit einer Meerjungfrau verschworen.
Wir schwuren’s nie. Und jeder kann es tun.

Gedicht: Nach Ringelnatz, Zürich 1931
Foto: Femjoy, Model: Ariel on cloud 9

“Fußball ist alles …” – Ein Korrespondentenbericht vom FC St. Pauli Fanclub Hallenturnier “Millerntor-Cup”

Komando Boys in Brown

Fußball ist alles – Hauptsache das KBiB gewinnt … (Ein Gastbeitrag von Marc. Sch., FC St. Pauli Fanclub “Kommando Boys in Brown”)

Die stehenden Ovationen wollten kein Ende nehmen. Noch 40 Minuten nach Turnier-Ende lagen sich die Menschen vor Freude weinend in den Armen und feierten den grandiosen Turniersieg des weltweit beliebtesten St. Pauli Fanclubs. Bei seiner ersten – und wohl auch letzten – Teilnahme am Hallen-Millerntor-Cup rollte das Kommando von Sieg zu Sieg und schonte dabei weder sich noch Gegner.

Vor dem Turnierstart erreichten uns mehrere Botschaften von Hiob. Mehrere Kommandoisten hatten ihre Teilnahme absagen müssen – Jenny + Mirco im Urlaub, Willi in London, Otte in Siam, DJJST in action, Steffens in Sauer, Falki in Love (aber der war wenigstens da).

Und dann verschlief auch noch Neuzugang Pauli-Scholle den Kick-Off. Zur Belohnung sperrte er sich dann bei seinem überstürzten Aufbruch aus der eigenen Wohnung aus.

Wenigstens eine positive Überraschung bei der Ankunft. Zeugwart und Alters-Präsi Matthiesen hatte es wider Erwarten geschafft, Stutzen, Hosen und sogar unseren Torwart – Holger „den Hexer“ – rechtzeitig in die Halle zu bringen.

Die Todesgruppe K sah gleich zu Beginn das Spiel zweier Turnierfavoriten: das KBiB gegen die Weiß-Braunen Kaffeetrinker, dem einzigen antialkoholischen Pauli-Fanclub für Alkoholiker. Verwunderung gab es allerdings darüber, dass uns fast ausschließlich 16-jährige Dribbelkünstler gegenüberstanden. Continue reading ““Fußball ist alles …” – Ein Korrespondentenbericht vom FC St. Pauli Fanclub Hallenturnier “Millerntor-Cup””

Ostseebad Damp – eine Zeit-Reise wert

Es gibt Orte, in denen scheint die Zeit still zu stehen (wie Aeroskoebing). Und es gibt Orte an denen nagt sie doch, obwohl sich nicht viel verändert.

Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts war der Jahrtausendwechsel noch weit weg. Die Zahl 2000 stand noch für Modernität, für Fortschritt in eine wonnige Zukunft. Aus dieser Zeit sind die Discos 2000, und eben auch ein neuer moderner Jachthafen mit angebautem Erholungszentrum. Ganz neu und mit Zukunft eingebaut: DAMP 2000.

Dieses Wochenende war ich das erste Mal wieder dort. Nach 30 Jahren rund. Diesmal per Auto und als Gast im Ostsee-Hotel Damp. Von See aus wirken die Hochhäuser von Damp 2000 wie Drachen, die sich riesig an die Küste ducken. Eine der Bausünden an der Eckernförde, die bis heute erhalten geblieben sind. Mein Bruder nannte das immer “die Ungeheuerhäuser”, wie sie da aus der auch damals schon oft diesigen Ostsee hervorstachen.

Heute hat sich nicht viel geändert. Immernoch ist es das Konzept, Reha, Sportanlage und Urlaubshotel zu verbinden. Viel Unterhaltung wird geboten, bis hin zur Tingel-Tangel-Countryband am Actionstrand. Ein eigenes Erlebnisbad für die Kinder, damit es die Älteren im Meerwasser-Wellness-Saunabereich auch gemütlich ruhig haben.
Die Saunalandschaft genügt inzwischen den gestiegenen Ansprüchen deutscher Senioren und Segler, die zum Entspannen aus dem nahen Jachthafen eintrudeln.

Wem das alles zu trubelig ist, der muss nur ein paar Meter weiter schlendern und hat den langen Sandstrand bis zur Steilküste, bei einem Wetter wie heuer, fast für sich allein.