Besetzung des Gängeviertels – Gentrifizierung reversibel

Gängeviertel im Schatten von Stahl und Glas

Ich habe eben auf dem Weg zur Arbeit noch ganz kurz bei der PK der Haus-besetzenden Künstler im Gängeviertel vorbeigeschaut. Nach einem dramatischen Beginn liegt der Ball jetzt im Feld des Senats.

Am Wochenende hatte die Künstlerinitiative „Komm in die Gänge“ das abrissgefährdete Gängeviertel mit über 200 Künstlern kulturell in Besitz genommen, seitdem waren bereits tausende neugierige Hamburger zu Gast in den Häusern. Am gestrigen Montag kamen dann auch Vertreter der Hausverwaltungen SAGA und Sprinkenhof AG zu Besuch jedoch nicht, um die Kunst zu bewundern, sondern um sie als Sperrmüll zu bezeichnen und anzufangen, die Häuser zu verschließen.

Daraufhin überschlugen sich die Ereignisse, und im Laufe des Tages waren Vertreter von Senat, Presse aber auch der Polizei vor Ort. Insgesamt blieb es jedoch durchweg friedlich und durch konstruktive Gespräche konnten bereits erste Verhandlungserfolge erzielt werden.

Es geht wohl so weiter, dass die Erdgeschosse geöffnet und als Ateliers genutzt werden können. Einen Alternativen Umzug in die Hafencity haben die Künstler als sinnlos abgelehnt, denn es gehe ja schließlich um die Erhaltung des Gängeviertels (mehr Info bei gaengeviertel.info). Und darüber hinaus um einen Konflikt, den man als reverse Gentrifizierung bezeichnen kann. St. Paulis Künstler rund um den Golden Pudel Club haben das „Recht auf Stadt“ genannt.

Der Pudelklub, für immer mehr Menschen die „Elbphilharmonie der Herzen“, Gartenlaube der Aneignung im Schatten des Osmani-Barlach-Hauses, Dichterklause neben der Systemgastronomie des Kulturinvestors, und, last but not least: architektonisches Furunkel im Antlitz eines geliebten Freundes (Prinz Charles), hat im Gegensatz dazu entschieden: wir bleiben hier. Wenn Kunst aufwerten kann, dann kann sie auch Abwerten. Oder im Preis fallen. Oder getauscht werden. Oder wieder dagegen sein. Also kommen Sie:
30. Aug 15:00 UhrKUNSTMARKT: PUDEL ART BASEL

Künstler, Menschen und lebendiges eben nicht als Mittel zur Maximierung zu betrachten, sich nicht missbrauchen zu lassen, sondern im Gegenzug Raum und Leben einzufordern, überall dort, wo durch Glas und Stahl Seelenlosigkeit das Leben in dieser Stadt unmöglich macht. Der nächste logische Schritt wäre das Lebendigmachen von leerstehendem Büroraum. In der Hafencity oder an Altonas Stränden.

Impressionen:

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… wieso soziale Medien solchen Widerstand stützen.

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