Biete Inhalt gegen Aufmerksamkeit

Der Deal ist einfach. Aufmerksamkeit in Form von übermittelter Reichweite gegen Inhalt oder zumindest eine großzügige Auslegung des Zitatrechts. Urform dieses Deals ist Yahoo! und sein erfolgreicher Nachfolger Google. In der Welt des ‚citizen journalism’ wird dieser Deal derzeit auf Inhalte aus Blogs und verwandte Jedermann-Publikationen ausgedehnt. In den USA beispielsweise durch Technorati, in Deutschland durch Blogg.de.

Das Ziel ist klar. Durch Aggregation von Inhalten, entweder zu speziellen oder zu allgemeinen Themen, zu einer der wichtigen Anlaufstationen für Nutzer zu werden.
Die monetäre Mechanik dieses Deals ist seit Marktdurchdringung von Google Adsense ebenfalls gelernt.
Zitiert einer dieser Dienste, sei es SpOn redaktionell, Technorati maschinell oder eine Zwischenform, wie hamburg.org, Beiträge aus Blogs, werden interessierte Nutzer zu diesem Blog referenziert, durch Google Adsense monetarisiert. Soweit so gut.

Interessanterweise geraten immer wieder Versuche diesen Deal zu leben in die Schusslinie einiger Blogs. Entweder, weil die Art des Inhaltsammelns zu unhöflich geschieht oder aber weil ein großes Medienunternehmen dahinter steht.


Thomas Knüwer hat sich beide Varianten zur Brust genommen und wetzt schon mal konjunktivisch die „Inhaltklau-Messer“ gegen Reuters und deren Kooperationspartner Global Voices. Ein guter Anlass, um diese Diskussion in Deutschland zu beginnen. Ich würde mich freuen, wenn an deren Ende eine Art Konsens darüber entsteht, wer wie und unter welchen Umständen Inhalte aggregieren sollte und darf.

Ich habe die beiden InitiatorInnen von Global Voices seinerzeit in Paris kurz kennen lernen dürfen. Auf mich machten Ethan Zuckerman und Rebecca MacKinnon den Eindruck von Überzeugungstätern, die alles andere, aber keinen Inhaltklau im Sinn haben. Wenn ich das richtig verstehe, dann ist das Ziel der so genannten ‚bridge blogs’ das Näherbringen von Themen aus anderen Ländern, vornehmlich exotische Destinationen. Für die USA, die Nutzer dort und in einer unabhängigen Art und Weise.

At a time when the international English-language media ignores many things that are important to large numbers of the world’s citizens, Global Voices aims to redress some of the inequities in media attention by leveraging the power of citizens’ media.

Ich nehme den beiden diese Attitude ab und wette, das würdet ihr auch tun, wenn ihr die beiden erleben würdet.

Interessant ist dabei aber, dass nun mit Reuters ein Spieler die Bühne betritt, dem diese hehren Ideale nicht abgenommen werden. Blogs, Blogprojekte und Kommerz und Medienunternehmen – in Deutschland immer noch eine unüberwindbare Kluft. In den USA lebbar. Denkbar. Vielleicht sogar sinnvoll. Keine Blaupause für uns, aber vielleicht ein Hinweis darauf, was sich in Deutschland bewegen muss, um nicht ewig Blogprovinz zu bleiben.

Medienunternehmen sollten sich dann allerdings auch so verhalten, wie sie es von Blogs erwarten, die Inhalte und am Besten ihre eigenen auch zu Bedingungen, wie der CC-Lizenz zur Verfügung stellen. Das wäre schon ein enormer Fortschritt

4 Antworten

  • SpOn Artikel nach CC lizensiert. Das wäre schon was. Kannst Du ja Deinen Kunden auch mal vorschlagen.

  • You Tube nukes

    And so it begins: YouTube nukes 30,000 videos „In the first major mass removal of content in its history, YouTube has removed nearly 30,000 videos after being contacted by a number of Japanese rights-holders, according to the Japan Society for…

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