BILD Presseausweise regen Blogger-Phantasie an

Moblog801
“Jürgen von der Lippe beim Schwarzfahren in München erwischt.” – ein BILD Leserfoto deckt es auf.


Der weltweite Siegeszug von Megapixeln und Flickr bringt natürlich auch klassische Medien auf den Plan. Kaum ein Verlagshaus, das nicht über die Verwertung von Leserfotos und -beiträgen nachdenkt.

Wie immer ist die BILD vorne mit dabei und wie immer auch eine Spur neben derselben. Mit so genannten “BILD-Presseausweisen”, die an YPS-Gimmicks erinnern, will das Blatt Jedermann ködern seine Bilder lieber an BILD, als an Flickr zu schicken. 500 Euro winken für eine Veröffentlichung.
Das bringt natürlich auch Kritik auf den Plan. Schön an moderner Kritik ist, dass eben offene Systeme auch offen angegriffen werden können.

Mario Sixtus bspw. schlägt vor, eine ganz eigene BILD-Leser-Foto-Story über den Chefredakteur Kai Dieckmann zu bringen, sein Haus zu belagern, seinen Arbeitsweg und die Axel-Springer-Tiefgarage. Ein schöner Gedanke, den Mann, der immer wieder Menschen auf den blutroten Boulevard zieht, selbst digital zu zerfleddern. Allein ich befürchte, das würde ihm womöglich gefallen.

Besser, weil mehr “vernetzte Bewegung”, ist da die Idee von Matthias Wagner, dem Rückseitigen Reeperbahnbewohner. In Zeiten von wackeligen U-Bahnfotos und Photoshop Picasa lassen sich Promibegegnungen herrlich fälschen.
BILD geht bei Springers dünner Personaldecke bestimmt das eine oder andere Fake-Material durch die Lappen.
Das wiederum dürfte der aufmerksamen Blogosphäre nicht entgehen. Das wird ein Spaß.


Übrigens könnte dies auch einen eklatanten Nachteil der mächtigen Verlage in die diskutante Öffentlichkeit ziehen. Gegen dezentral organisierte, gut vernetzte Leserschaften können sich Verlage nicht durchsetzen.
Auch die Blogs in Deutschland müssen sich allerdings die Frage gefallen lassen, ob sie eigentlich so vehement gegen die BILD-Leserreporter sind, weil sie ureigenste Funktion der Blogs sind, die Präsentation von Nutzerinformationen.

Bahnt sich da womöglich der erste mediale Machtkampf an?

Nachtrag: Überlegungen zum Trend Bürgerjournalismus in diesem Zusammenhang auch bei Thomas Knüwer:

Nur: Bei “Bild” bestimmen eben nicht sie, welche Fotos veröffentlicht werden, sondern die eigens dafür geschaffene Redaktion. Und deshalb hat das ganze mit Bürgerjournalismus herzlich wenig zu tun.

17 Replies

  • So wie Knüwer eben beim Handelsblatt bloggt. Ist ja auch kein Bürgerjournalismus. In der Tat ist es spannend: Warum sind Bild-Leser böse, wenn sie Bohlen beim pinkeln fotografieren und Blogger/Flickrer nicht? Ja, die klassischen Medien nutzen eben dann doch die Errungenschaften des Internet. Erst gescholten weil sie schlafen wollen es ihnen jetzt einige verbieten. Komisch.

  • Thomas, wer glaubt, Bohlen beim Pinkeln fotografieren und dafür Kohle kassieren zu müssen, ist doch eh ein ganz armer Wicht – ob er nun Blogger ist oder BILD-„Leser-Reporter”. Das wollen wir doch mal festhalten.

  • Mal ganz abgesehen davon, dass ich hier ein Foto von Bohlen beim Pinkleln auch posten würde, sind wir bei der Diskussion jetzt beim Geschmack angelangt.

    Ich habe in Berlin mit Fotografen in einer Reihe bei Filmpremieren gestanden und gefroren – wirklich ein Scheißjob. Lohnt sich nur, wenn man ein qualitativ hohes Foto mit hohem potenziellen Leserinteresse schießt.
    Die sähen das mit Dieters Hintern natürlich anders.

    Die Frage, die Thomas vollkommen zu recht anspricht, ist doch die Perspektive, das Selbstverständnis vieler Blogger. Ist etwas vielleicht bei uns nur ok, weil es eben in Blogs passiert und nicht bei BILD oder meinetwegen auch der WAZ oder Berlin1.de?

  • Gab es eigentlich schon die Idee zu einem “Bildleser-Reporter”-Blog, wo Bildleser beim Nachgehen ebendieser Tätigkeit abgebildet werden?

    Die Fake-Idee ist aber eine großartige.

  • Zu Herrn Dieckmann: Ich glaube nicht, dass ihm ständige eine Verfolgung/Belagerung gefallen würde. Wenn es um ihn selbst geht, ist er nämlich sehr schnell mit Anwälten zur Stelle (siehe taz-Satire). Da versteht der Chefredakteur von Kohls Gnaden keinen Spaß. Insofern, und weil Herr Dieckmann m.E. als Chefredakteur der größten deutschen Tageszeitung, der auch gern bei Papstinterviews seine zugekleisterte Visage in die Linse hält, ein Mann der Zeitgeschichte ist, wäre es tatsächlich eine hervorragende Idee so etwa 100 Leute zu versammeln, die planmäßig die Verfolgung seiner selbst, wie auch seiner Klatschtanten-Frau und Bohlen-Biografin beginnen.
    Und wo wir bei Bohlen sind: Wer ihn beim Pinkeln fotografiert, wird wohl keine Chance haben, dafür 500 Euro bei BILD zu kassieren. Dazu sind die Familien Bohlen und Dieckmann (s.o.) viel zu verstrickt. Selbst die Fremdgeh-Bilder von Malle sind mit Sicherheit vor der Veröffentlichung mit 3-Akkorde-Dieter abgesprochen worden.
    Fazit:

  • da war ich zu schnell. jetzt also noch mal das fazit: gute und erfolg versprechende idee, dieckmann mit einer verfolgung aus der reserve zu locken. aber wer macht´s?

  • wie wäre es mit einem offiziellen aufruf auf dieser seite. jeder, der ein exklusiv-diekmann-in-einer-ungünstigen-situation-oder-ähnlichem-photo macht, hat die möglichkeit in diesem blog per namen gennant zu werden. sollte doch eigentlich anreiz genug sein ihn mal kurz abzulichten.
    wobei mir so eine kleine verfolgungsjagd durch die stadt auch spaßig vorkommen würde.

  • Ich machs. Sofort. Kamera mit starkem Tele ist vorhanden. Ich brauche nur einen Fahrer.

  • … und damit wären wir auf dem Niveau eben jener angelangt, die wir …

  • … bewundern, fürchten, offiziell verabscheuen, aber trotzdem lesen?

    Wie gesagt, ich halte die Idee eigentlich für gut und nach Davids Aufruf bin ich fast soweit gewesen das auszuprobieren – mich hat einfach die Kostenseite, mehrere Unterlassungserklärungen melden zu müssen abgehalten ;(

    Mich würde ja mal interessieren, um die Gedanken von Mario Sixtus weiterzuspinnen, wieviel man sich mit einem solchen “Presseausweis” so erschleichen kann. Von einem Tokio Hotel Backstage Pass ganz zu schweigen.

    Bring mir Fotos davon … ;)

  • Macht kaputt was euch kaputt macht! (Kommt das irgendeinem (älteren Semesters) ein wenig bekannt vor?)

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