Das hässliche Gesicht des 1. FC Union Berlin

Berlin, Prenzlauer Allee

Die Frage vier im Vorspiel-Interview mit Fans/Bloggern des 1. FC Union Berlin, was denn Union und der FC St. Pauli gemeinsam haben, und was sie trennt, wieso bspw. die “Blutsbrüderschaft” nicht hinhauen konnte, erinnert mich an eines der Erlebnisse, die mich dazu brachten, meinem Besuch am Montag in der Wuhlheide nicht nur freudig entgegen zu sehen.

Es war im Winter 2004 als ich von meiner ersten Begegnung mit Heiko, einer Veranstaltung von Movable Type, aus dem Friedrichshain in den Prenzlberg zurückfuhr. Ich hatte zwei oder drei Bier getrunken und war müde. Das scheint mir der Auslöser dafür gewesen zu sein, dass ich mir die vier bulligen Skins und ihren schmächtigen Begleiter mit Minipli-Vokuhila genauer ansah, als sie zu mir in die Tram stiegen.

Tram Berlin bei Nacht

“Was guckste denn so, häh?”

Mein Blick war eine Millisekunde zulange an ihnen haften geblieben, nun war es passiert, ich hatte zumindest die volle Aufmerksamkeit des kleinen.

“Was Du so guckst will ick wissen!”

Die vier anderen, die saßen bereits und machten sich je eine Dose Berliner Pilsner auf, drehten sich neugierig um. Die vier mussten sitzenbleiben, das war mein erster Gedanke. Der Kleene ließ nicht locker, rief wieder irgendwas herüber. So stand ich auf, ging hinüber. Langsam und ein wenig doof dreinblickend. Die vier bullligen Skins blieben sitzen, schauten grimmig und interessiert zugleich.

Der Kleene hüpte aggressiv um mich herum, fragte mich, was ich denn davon hielte, dass die Ausländer uns unsere Jobs und Frauen wegnähmen. Ich hatte keine Antwort parat, die ihm gefallen hätte, also flüchtete ich mich in höfliches Doofstellen (so á la “Ich verstehe Sie nicht ganz, wie sollen denn diese beiden Umstände zusammen sich finden” und ähnlichen Quatsch). “Lass den doch in Ruhe”, sagte einer der Bullen ohne Haare. “Wir wollen hier in Ruhe unser Bier trinken.”

Der kleine Nazizwerg wollte aber nicht. Pikste immer weiter, stieß mich an und spuckte beim Reden mir ins Gesicht. Da entschied ich mich zu einer fast schon verzweifelten Taktikänderung. Attacke, zumindest verbal.

“Also”, sagte ich leise, “da wo ich herkomme sagen wir den Leuten geradeheraus, wenn wir was von ihnen wollen. Dann machen wir uns auch gerade!” – ich rückte etwas näher an ihn heran, so nah, dass ihm klar werden sollte, dass ich ihn erwischen würde, bevor seine Kumpis aufgesprungen sein würden.

“Wo kommste denn her”, klang die wider Erwarten interessierte Frage.
“St. Pauli”.

Pause. – sein Gesicht erhellte sich. “Mönsch, wir haben doch ne Fanfreundschaft rief er erfreut. Wir sind Union-Fans.” Seine Kumpane lachten heiser. Ich konnte mich dann gerade noch vor der Einladung drücken sich noch irgendwo gemeinsam den Kopf wegzusaufen und stieg aus der Tram aus.

Schwein gehabt. Aber was soll ich mit solchen “Freunden”?

7 Replies

  • >Aber was soll ich mit solchen “Freunden”?
    Zumindest keins auf die Fresse kriegen. Aber ist schon ein bisschen Scheiße.
    Irgendwie assoziiere ich Union irgendwie mit Faschos. Gibt doch ab und zu mal Berichte darüber. Passt jetzt nicht wirklich zu St. Pauli.

  • Pingback: Union Berlin und FC St. Pauli: Manchmal ist Freiheit dreckig und natürlich ist Fußball auch Politik at ***textilvergehen***
  • bin selber anfänglich auf die vermeintlichen gemeinsamkeiten reingefallen und hatte union als ersatzdroge in meiner wahlheimat berlin auserkoren. relativ schnell gab es dann ein böses erwachen. die dichte an richtig unterirdischen (nazi-)sprüchen ist in der alten försterei einfach mal verdammt hoch. im stadion kann man sich dem durch geschickte wahl des aufenthaltsortes noch halbwegs entziehen, aber was man in der bahn teilweise für gesänge hört, geht auf keine kuhhaut. ist leider doch nicht mein ding, und nach einer ansammlung von scheißerfahrungen ertappe ich mich mittlerweile schon bei der freude über union-niederlagen…

  • Ich bin selbst oft und gerne in Berlin beim Fußball unterwegs und zwar in allen Ligen. Ich muß hier mal eine Lanze für Hertha brechen. Die Hertha Fans selbst waren noch Anfang der 90er übelst rechtslastig. NPD Kader vor’m Stadion und dämliche Sprüche aus der Kurve. Dies wurde peu a’ peu abgearbeitet. Durch ein Fanprojekt, durch Fans die sich dagegen stellten, durch eine klare Position des Vereins etc.pp. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Rechtsradikales Gedankengut ist bei Hertha auf dem Rückzug und auch nicht mehr die Dominante, das es einige Ausnahmen gibt will ich aber nicht in Abrede stellen. Bei Union scheint es mir, muß dieser Weg erst noch begangen werden. Die “Jude Jude” Rufe gegenüber TeBe, die Diffamierung ausländischer Spieler, wie beim Berliner Hallenturnier im April 2009 geschehen, sind nur die Spitze des Eisberges. Zu Union jedenfalls bekommt mich keiner mehr hin. Ich verstehe nicht, wie man diesem Club insbesondere von seiten der Medien einen “Kultstatus” zuspricht.

  • moin leute. ich als jahrelanges union-mitglied finde die tram geschichte echt traurig. sorry dafür und danke, dass du die situation so gut/gewaltfrei gehandelt hast! mir geht nur tierisch auf die ketten, dass besonders in der medialen darstellung union immer wieder zu sehr in die rechte ecke gedrückt wird.natürlich wäre es vermessen zu sagen union sei ein typisch linker verein und mit st.pauli vergleichbar. aber rechts sind wir nun wirklich nicht. es gibt halt leider irgendwelche sog. fans die nix als müll im kopp haben.das mag auch daran liegen dass union ein ostverein ist und es dort immer, naja zumindest eher rechts orientierte jugendliche gibt. das is überall und in allen ligen so! ich selber hab mit meinem iro damals im eigenen block(!!!) stress gehabt.deshalb stehe ich seit jahren auf der gegengerade. und dort findest du genau das klientel, dass meiner meinung union so stark macht: altunioner, familien, engagierte (linke) jugendliche, otto normal, dick dünn männlich weiblich….
    man kann das alles also nicht pauschalisieren.

    und was meine erfahrungen mit st.pauli angeht: ich wurde immer sehr gut aufgenommen und das ein oder andere gemeinsame bier im jolly rogers(oder so ähnlich) war auch immer dabei. in berlin gabs dann immer die retour-kutsche: zusammen nen bier trinken und ein geniales fußballfest feiern! und so solls doch auch sein! in diesem sinne

    und niemals vergessen: EISERN UNION

    ps: ich drück euch die daumen für den aufstieg!und danke dass ihr uns den klassenerhalt gesichert habt!!!

    • Moin Georg,

      danke für die Wünsche – und wenn alle Stricke reißen trösten wir uns gegenseitig mit einem Berliner Pilsener in der alten Försterei. – hat mir wirklich gut gefallen bei euch am Sonnabend.

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