Das Kai Dieckmann Dilemma

Die taz vermutet, „dass noch nie eine Zeitung soviel Macht über einen Bundespräsidenten hatte, wie die BILD“ – und das ist inzwischen imho auch der Kern der Auseinandersetzung: Politisches Establishment gegen Boulevard (wobei man Spon, FAZ und SZ in diesem Fall dazuzählen darf).

Ein klassisches Dilemma, denn wenn Kai Dieckmanns BILD gewinnt, hat dann tatsächlich die Demokratie gewonnen? Oder nicht eher ein Ego?

Dieses Ego, das seine vermeintliche Größe aus einer Herrentube Gel und der Macht speist Meinung zu machen, sinkt nämlich zusehends – und das korrellativ mit der Reichweite des Mediums.

Kai Dieckmann konnte weder die Polen und Deutschen aufeinander losgehen lassen zur EM 2010, das wurde einfach ignoriert, schlimmer noch, Podolski und Klose schafften trotz BILD und polnischem Springer-Pendant ein Klima der Aussöhnung und sportlichen Solidarität, die man an Fairness in Deutschland lange gesucht hat. Auch konnte er nicht verhindern, dass Deutschland sich zumindest monetär mit den intensiv verfehmten „Pleitegriechen“ solidarisierte. Und nun?

Schafft es BILD nicht einmal einen machtlosen Getriebenen aus seinem Amt zu jagen. Das kann für Kai Dieckmann lebensgefährlich werden, also für sein Ego natürlich.