Der Leser, das Wissen, der Brockhaus und das unbekannte Internet …

… das da draussen irgendwo lauert. Das waren die Ingridenzien einer hörenswerten Podiumsdiskussion im Rahmen des Körber Forums heute Abend in HH.

Hochkaräter aus der alten Medienwelt,

Christoph Bungartz, NDR und Entdecker von der von mir sehr verehrten Caren Miosga, diskutiert darüber mit den Gästen: Raimund Bezold, Cheflektor von »beck wissen«, einer der renommiertesten Wissensbuchreihen auf dem deutschen Markt; Christoph Drösser, Autor von Wissensbüchern wie »Der Mathematik-Verführer« und der ZEIT-Kolumne »Stimmt’s?«; Klaus Holoch vom Verlag F.A. Brockhaus, der von den ersten Erfahrungen mit der viel diskutierten Online-Version der Brockhaus Enzyklopädie berichten wird; und Michael Rose, Neurowissenschaftler am UKE Hamburg, der sich mit den Lernmöglichkeiten des erwachsenen Gehirns beschäftigt.

… diskutierten über die Zukunft des Wissens, hatten aber eigentlich keine Zeit für die Leser, wie angekündigt, sondern beschäftigten sich vielmehr mit sich selbst. Für Medien im Überlebenskampf nur menschlich.

So war die Grundstimmung des Abends, die sich durchaus unterbewusst durchzog, die immer wieder auch hier thematisierte Abgrenzung zu dem unübersichtlichen, nicht zertifizierbaren und fetzenhaften Internet. Der Feind, Wikipedia, wurde nicht beim Namen genannt, vielmehr von ihr als anonymer Schwarmintelligenz gesprochen. Auch eine Form des berühmten Pfeifens im Walde.

Herrlich, dass sich Hanno zu Wort meldete und mit der Mär, das Internet sei der Hort von Schund und “wir” Verleger – irgendwie sprechen bei Medien immer alle in der dritten Person – sortieren schon Qualität von eben diesem, aufräumte. Den Zauber von Jules Vernes Visionen und Geschichten, ja Hanno, da hast Du einen Kern getroffen, der offenbart sich mir eben auch auf einem PDA in der Bahn. Übrigens auch, wenn ich nicht weiß, wie das Ding da heißt, in dem ich ihn lese.

So können sich Menschen, wie Christoph Drösser oder auch Stefan Niggemeier und Thomas Knüwer glücklich schätzen, denn in der Tat ihre Leistung wird immer mehr gefragt: Eine sich auf den Diskurs einlassende Autorenschaft, bei dem die Verfasser der Meinung auch die Verleger sind.

Das Schönste Zitat von ihm, nach einer wichtigen Frage aus dem Auditorium, wie denn das Internet die soziale Spaltung fördere: “Für den Preis eines Brockhaus bekommt man schon einen Rechner mit Internetzugang”.

So war dann auch der eigentlich interessante Teil, das Wein trinken und diskutieren hinterher.
Vom Brockhaus erfährt man, dass der in seiner Startversion online, deren Verspätung übrigens auch nicht hinreichend erklärt wurde, das Mitwirken nicht vorgesehen ist. Klassische Aufteilung zwischen Verlag, Redaktion, Autoren und Lesern. Niemand kommt da wohl auf die Idee, dass die Leser die wertvolleren Autoren sein könnten. Ein möglicherweise fataler Fehler.

Immerhin, Klaus Holoch stellte in Aussicht, dass die Autoren des Brockhaus stärker in den Vordergrund kämen, in einer Version 2.0. Nun, dann könnten diese inzwischen schon bei wikipedia schreiben, oder bei wer-weiss-was. Wer weiß? ;)

Anschließend gingen die Panelisten fein essen und die freundlichen Damen räumten derweil den Wein für das Auditorium ab.
Auch eine Art Machtdiskurs, einer der sich gerade dreht meine Herren ;)

3 Replies

  • Übrigens sollte man sich auf Seiten der Blogger und Co. nicht dem Irrglauben hingeben, dass dieser Diskurs einfach wird. Soo viele Fragen sind online noch nicht geklärt, oder harren der kulturellen Einigung.

    Einen ehrlichen Diskurs mit den “alten” Medien kann nur der beginnen, der die bisherigem Diskurse über Urheberschaft, Expertentum, Zertifizierung und Macht zur Kenntnis nimmt.
    Dir wirken nämlich weiter, auch bei wikipedia oder google, da lasst euch bitte nicht gehen.

    (Nict nur dewegen mag ich übrigens Robert Basic, weil der diesen Konflikt lebt, ausserhalb bestehender Klüngel und Macht-Konstellationen)

  • … und wie unendlich schwer muss das für Verlegerfamilien sein, diese Macht abzugeben, dieses reale Grundrechtsprivileg.

    Aber, so rufe ich Dir zu Hubert und Co., teile das lieber mit Deinesgleichen, als mit einer Maschine!

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