Der Welt-Boulevard und das Grundrecht auf Privates

Eben sehe ich, wie sich Mario Sixtus mit David Weinberger unterhält, einen Mann, den ich sehr schätze. Dabei geht es auch um Politiker im neuen Netz und das Beispiel von John Edwards, der zum Gespött der Menschen weltweit wurde, weil er sich eitle zwei Minuten lang die prächtige Politikertolle zurecht macht, dies heimlich abgefilmt und bei youtube in einem “mashup” veröffentlicht wurde. Lustig, zugegeben.

Was mich daran weiter beschäftigt ist, dass keiner der beiden darüber nachdenkt, dass diese Situation privat war. Vor dem Auftritt ist die Garderobe so etwas, wie das ausgelagerte Wohnzimmer, ein sehr intimer Ort vor der Show. Lediglich ein Vertrauensbruch der Visagistin vielleicht, aber durch die Einbindung in Blogs und Verlinkungen bei YouTube (über 1 Mio. Views) ein prominenter Bruch jener Konvention, deren Einhaltung das Bundesverfassungsgericht gerade so deutlich anmahnt gegenüber dem Staat.

Our privacy norms are changing rapidly. They have to because we’ve now invented so many new ways to be in public.

… schreibt David im Bezug auf privacy und facebook. John Edwards Privacy ist da ein schöner Selbstcheck, wie weit wir dieses Thema treiben müssten, oder wollen wir auswählen, wer es verdient Privatheit gewährt zu bekommen?

Die Regeln von Anstand und Respekt, und das wird gerade in der Politik deutlich, aber auch bei privaten Saufbildern von Studenten, oder nackten Kanzlerinnenpopos, werden nicht nur andauernd von Kai Dieckmann und seinem roten Boulevard gebrochen, sondern von uns allen.
Täglich und nachhaltig. Dank Google.

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