Deutschland, ein Sommermärchen und das Wetter

Deutschland ein Sommermärchen

Ich bin nicht besonders paranoid.
Bisher habe ich über die abstrusen Ideen, unmarkierte UNO Hubschrauber würden des nächtens guten Amerikanern ihre Waffen abnehmen, oder Schlimmeres, obwohl sich gute Amerikaner kaum Schlimmeres vorstellen können, na ja vielleicht eine Einladung zum All you can eat im „Windows of the World“ vielleicht, bisher habe ich darüber geschmunzelt.

Jetzt nicht mehr.

Das was dem guten Amerikaner seine halbautomatische Waffe südafrikanischer oder germanischer Bauart ist uns das Wetter. Und das wird manipuliert.

Zum ersten Mal ist es mir aufgefallen, als die WM losging. Wie auf Knopfdruck gab es Hochdruck. Kaiserwetter eben. Damals haben wir noch darüber gelacht – der Kaiser hat wohl einen guten Draht zu Petrus, der alte Haudegen.

Als pünktlich nach dem ordentlich ohne Klinsmann absolvierten Finale der Dispo auf unserem Gutwetterkonto aufgebraucht war, kam er denn auch, der kleine Winter. Mitten im Juli. Alles nur um uns die WM noch deutlicher zu euphorisieren. Ist das eigentlich schon zum Wort des Jahres vorgeschlagen? Euphorie?

Ich kann mich nur an eine Phase erinnern, zu der wiederum ein Bayer seinen Besuch und einen „open air Termin“ ankündigte, als das Wetter wieder besser wurde. Pappa Ratzi in Bayern – Kaiserwetter, wieder!

Letzten Dienstag war der Tag der Deutschen Einheit. Auch ein Datum, zu dem man den Altweibersommer herausholen möchte. Nix. In Hamburg fiel die Temperatur um zehn Grad. Der bis dahin noch zu retten scheinende Spätsommer krepierte jämmerlich. Um 13:00 Uhr war es genau so nasskalt, wie morgens um neun gewesen. Und das Ganze, weil sich die Kanzlerin in Kiel und nicht der Herr Stoiber, der gefühlte Kanzler in Berlin aufhielt?

Das kommt mir in den Sinn. Macht sich selbst ständig. Bleibt haften.
Habe mich dann der Dame bei der Auskunft anvertraut. Die von 9live ist hübscher, aber mir haben sie das Telefon abgestellt, beim letzten Versuch sie vor der bayrischen Wettermafia zu warnen.
Monika hieß sie. Und sie hatte einen noch fürchterlicheren Verdacht.
„Ist Sönke Wortmann eigentlich Bayer?“, hatte sie gefragt. Der will uns doch alle im Kino sehen, deshalb.

Die Erkenntnis traf mich unvorbereitet. Ich kaufe mir heute noch eine Karte für das Zeise und gebe mich geschlagen.


Foto: Sönke Wortmann