Die falsche Ultra-Debatte St. Pauli

USP Ultra Sankt Pauli
USP Ultra Sankt Pauli

Gotthilf Fischer wäre begeistert von so einem famosen Chor. Denn die Sänger sind ungeheuer ausdauernd und singen weiter, ganz egal, was passiert. Das Ergebnis ist ein monotoner Singsang, der die Atmosphäre von Fahrstuhlmusik verbreitet.

Irgendjemand im Stadtteil hat dieses Tag der USP durchgestrichen. Vielleicht jemand aus Stellingen, vielleicht aber auch jemand wie Sven Kummereincke, ein St. Pauli Fan und trotzdem Gegner der Ultras. Einer, der sich durch das “dauernde Singen” genervt und durch den durchaus berechtigten Hinweis auf die verhaltene Stimmung während der letzten Heimspiele am Millerntor provoziert fühlt.

Weil schon der Übersteiger meint, dass mich eine ähnlich latente Ultraallergie befallen hat, möchte ich für USP eine Lanze brechen, insbesondere bei dem Thema Support im Stadion. Gegen Leverkusen beispielsweise war er wieder zu spüren, der Roar, kurz nur, aber schon vor dem Spiel lag diese Spannung in der Luft, die ich so liebe. Und das war sicher auch dem Aufruf der Ultras geschuldet, und einem “das lassen wir nicht auf uns sitzen”-Gefühl in den anderen Kurven. So richtig herum, deswegen ja auch Roarr, geht dieses betende Drängen ja erst, wenn USP anfangen Gesänge von bspw. der Gegengerade aufzunehmen, oder sich auf das verbindende, und vielen von uns ob der Spannung einzig möglichen, wütenden, “ST. PAULI; ST. PAULI!!” zu beschränken.

Das funktioniert nach solchen Auseinandersetzungen zwischen den Kurven besonders intensiv und gut, wie ich finde. Das war gegen Augsburg letzte Saison besonders intensiv und Abschluss des Diskurses nach der Südkurvenblockade.

Sankt Pauli, das ist stetes Ringen um den richtigen Weg, doofes USP-Bashing, wie im Abendblatt hilft da wenig. Wer den Ultras gesanglich paroli bietet, der holt sie ab. Zeterer bestärken sie nur ;)

p.s. und seit der JHV ahne ich auch, weshalb dieser Artikel jetzt gerade erscheint.

7 Replies

  • Mich nervt der Dauergesang ebenso wie die Spieler. Dass USP nicht auf meine Wünsche eingeht – geschenkt, aber wenn Spieler öffentlich bekunden, dass Dauergesang manchmal geradezu kontraproduktiv ist, erwarte ich von Fans, die 100% zu geben immer wieder betonen, dass sie das nicht nur respektieren, sondern auch entsprechend handeln.

    Und den “Kult”, den sich immer alle hebeifaseln, der entstand, als die meisten USPler noch bei Papa im Sack übern Zaun gesprungen sind.

    Mein Eindruck ist der, dass viele Gruppen gar nicht mehr zu singen anfangen, weil da gar kein Platz mehr dafür da ist. Du musst ja schon mindestens 200 Leute um Dich herum mit einem Spontangesang überzeugen, damit dass überhaupt wahrnehmbar ist bei der Dauerberieselung.

    Und Fahrstuhlmusik ist der Terminus, mit dem ich in einem Artikel zu diesem Thema überschrieben habe, der leider aus Zeitgründen nicht fertig geworden ist….

    Nicht falsch verstehen: Ich habe allerhöchsten Respekt vor der Arbeit der USPler, aber Dauergesang und die Arroganz der (oder: einiger) Ultras nerven höllisch.

  • Ich bin kein St. Pauli Fan, mich würde aber interessieren, wo das
    “aber wenn Spieler öffentlich bekunden, dass Dauergesang manchmal geradezu kontraproduktiv ist,”
    stand.

  • Moinsen!
    Also grundsätzlich finde ich den Atikel von Herrn Kummereincke angebracht und sehr gut. Das Bashing kann ich nicht wirklich sehen, eher die Feststellung, was ca. 1.000 Ultras, bewirken: monotomer Sing Sang-für Indvidualismus kein Platz-was der Mob zu tun&zu lassen hat
    Nebenher bestätigten die Ultras durch eigene Verhaltensweisen insbesondere bei den Stellungnahmen zur Südkurvenblockade, das Begriffe wie “inteloreant” & “elitär” durchaus im Zusammenhang mit der Selbst(über)einschätzung der Ultras angebracht sind. Der Roaarr auf den Rängen war mMn auch ohne vor dem massiven Dauerbeschall diese Fangruppierung da und, was am meisten fehlt, auch Sitationsabhängig. Der Dauerbeschall tötet den Individualismus und somit auch das Entstehen von neuen kreativen Rufen. Wenn ich den Zecken Ruf nehme, der Anfang bis Mitte der 90 iger, als ehemaliger Schmähruf gegnerischer Fans (u.a. HSV) adabtiert und daher selbstironisch angebracht und lustig war, ist er heute mehr als fehl am Platz und nervig. Es ist auch vollkommen Latte, trotzdem haben immerhin gewisse Hamburger Printmedien das Bashing der Ultras abgedruckt unhd von daher ist die Reaktion des Sven Kummereincke berechtigt, angebracht und angemessen dargestellt. Die Anmerkung zum “ACAB” Plakat & der umjubelte Derby- Torschütze und Leistungsträger Fabian Boll ist dann natürlich noch ein krönender Inhalt, der aber auch aufzeigt, das die Ultra- Gruppierung sich nicht richtig hinterfragt, sich aber sehr wohl elitär darstellt und von mehr als inteloreanten Auftritten einzelner und auch kleinerer Gruppen von Ultras ist ja häufiger bei Heimspielen zu hören und in Berichten zu Auswärtsspelen zu lesen.
    So whats wrong about it? Ich find’s gut geschrieben und auch inhaltlich nicht gerade ein Bashing, sondern angemessen.

    Hier geht es zum besagten Artikel in einer kostenlosen Version, da Ring2 “nur” den Link zur Bezahlversion verlinkt hat:
    http://mobil.abendblatt.de/sport/fussball/st-pauli/article1702095/Die-Ultra-Nervigen-vom-Millerntor-ein-Plaedoyer.html?cid=sport

    Es grüßt der, der die Quote rockt!

  • Eger: “Ich habe denen die Sicht gezeigt, dass es auch nicht gut ist, wenn man fünf Ecken gegen sich hat und man hört dann einen Dauergesang. Was ja die Ultras so ein bisschen ausmacht, aber der Mannschaft in dem Moment nichts bringt. Es kann auch ruhig sein im Stadion. Man kann dann auch wieder situationsbedingt supporten. Und die Ultras meinten dann, dass es das erste Mal sei, dass sie dies hören und sie hätten darüber noch gar nicht nachgedacht.”

    Und das haben Sie offensichtlich bis heute nicht!

  • Pliquett: Es ist ja nicht die Philosophie nicht spielbezogen zu supporten, sondern es ist die Art und Weise, wie du es dann rüberbringst. Es ist komisch, dass die Stimmung auswärts in letzte Zeit gigantisch war und zu Hause verfällst du dann in eine Lethargie und dann hört es sich einfach nicht gut an.

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