Drachensteigen

Die Stahlstäbe die seine Höhle unterhalb des Altonaer Balkons begrenzten waren kein wirkliches Hindernis. Innerhalb von Sekunden waren sie geschmolzenes Orange, Flossen den Abhang zur Elbe hinunter.

Aah. Reckend, und nach einem kleinen Mittagsschläfchen was zu Essen suchend, flog ein Drache über Hamburg. Freilich, das wir diesen Flecken zwischen Süderelbe und Norderstedt so nennen, weiß er nicht.

Bei Buddenbohms wundert man sich. Immerhin, das Haus steht noch, als der Feuerstoß über das Dach streicht. Nun sind alle wach. Radio Hamburg meldet, dass der Drache nach einer 180 Grad Kurve über die Elbphilharmonie nun nach Stade fliegt. Gedanken über das Fundament und die Finanzierung haben sich wohl erledigt, wenigstens ist wegen des Baustopps kein Mensch zu Schaden gekommen. In Stade rückt die Freiwillige Feuerwehr aus. In nagelneuen Brandschutzklamotten, eine Spende von Vattenfall.

„Flatter, Flatter“, geradezu niedlich hört man ihn fliegen, ist man im alten Land doch sonst mehr Lärm von oben gewohnt. Über Buxtehude verliert der Drache einen seiner Chucks. Panik bricht aus. Wenn der Schuh auf das AKW gefallen wäre, dann hätten wir alle einpacken können.

RTL2 ist schon vor Ort. Keiner weiss wieso. Inzwischen ist die Feuerwehr marschbereit. Der Zugführer wünscht sich vom Universum einen echten Wasserfall, ist dann aber doch erstaunt, dass der Drache weiterfliegt.

Und oben auf seinen Schultern, so wird er es später im Privatfernsehen behaupten, saß ein Gimpel. Seit heute morgen wird Reinhild Beckmann vermisst.

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