Einseitige Unterhaltung

Jeder, der schon mal von Hamburg nach Berlin im ICE gefahren ist, kennt das: hinter einem ruft einer in sein Handy, wahlweise pikantes, banales oder steuerndes, so wie “bin in McPomm da hab ich keinen … Hallo? Ernst!?, ja Mecklenb. … Weg, ach”.

In der ersten Klasse ist das noch schlimmer, da fahren die einsamen, die Unbegleiteten. Die nötigen einem dann die Grünen-Strategie für die nächste Bundestagswahl auf, oder wollen einseitig Ballack zum HSV telefonieren.

Inzwischen habe ich mich so an diese halben Gespräche gewöhnt, dass ich eine Weile brauchte, bis ich begriff, dass die Frau, die hinter mir die Bahrenfelder Strasse entlang lief, ein echtes Selbstgespräch führte. Über Angst und Zuspätkommen, erst als sie anfing zu weinen, wurde mir klar, dass der andere Teilnehmer gar nicht weit weg war. Er war wohl in ihr drin, durch den Vorhang der Betäubung war die Verbindung abgerissen. Sie war in einem mentalen Mecklenburg unterwegs.

Hätte sie ein Handy am Ohr getragen, wäre mir das nie aufgefallen.

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