Eva Herman und das falsche Ende der Debatte

In Eva Hermans PR-Büro gab es helle Aufregung, so stelle ich mir das vor, als die ersten messerscharfen aber reflexiv unsachlichen Anfeindungen der feministischen Frauenfront eintrudelten. Der Stachel saß.

Für Eva zu tief. So eine Welle hatte keiner erwartet. Keiner der Kritiker schien ihr Buch gelesen zu haben, keine zitierte es. Dabei war ihr der Inhalt doch so wichtig gewesen. Persönlich.

Inzwischen versachlicht sich der Streit, wie Eva Herman auf ihrem frisch eingerichteten Blog selbst feststellt. Allein, die Debatte selbst ist Unsinn.


Was sich Alice Schwarzer und ihre gleichaltrigen Gegenüber in der CSU nicht vorstellen können ist nämlich doch eingetreten. Der Samen der Emanzipation ist aufgegangen.

Wir erleben, allen Ausnahmen zum Trotz, eine Männergeneration die genau das will. Zeit für die Kinder, den Partner und die Karriere. Das unter immensem strukturellen Druck.

Eine Männergeneration für die das Gleiche gilt, was Eva Herman in ihrem wohlplatzierten Vorabdruck in der Cicero postuliert, der enorme EIGENE Erwartungsdruck gepaart mit einer immer mehr entmenschlichten Gesellschaft, das sind die Kräfte die an den Trägern und Trägerinnen dieser Gesellschaft nagen. Das Geschlecht, ja selbst die immer noch weiter durchzuwirkende Gleichberechtigung der Frau sind da nur Symptome.

Letztlich wirken dieselben Kräfte. So lassen sich ganze Passagen kinderleicht maskulin umschreiben, sie stimmen auch so, oder auch nicht, je nachdem welche Passage man nimmt:

Der Mann von heute ist im Stechschritt unterwegs, um die heterogenen Lebensinhalte unter einen Hut zu bringen.

Hieraus muss unweigerlich folgern, dass er keinem der genannten Bereiche in seinen Ansprüchen gerecht werden kann. Weder in der Karriere noch in der Küche Familie ist der Mann voll handlungsfähig, Partner und Kind kommen ebenfalls zu kurz. Nie war Zeit kostbarer als heute – und knapper. So sehen wir den Mann der Moderne mit einem wehenden Schleier der Atemlosigkeit durch sein Leben hetzen, und immer ist er unzufrieden mit dem Ergebnis.

Ich frage mich, wem diese Richtung der Diskussion nutzt. Letztlich denen, die es wieder so kuschelig haben wollen wie in den goldenen 70er und 80er Jahren. Unterschiede herausarbeiten, wo wahrscheinlich mehr Gemeinsames sich finden ließe. Im vermeintlich sicheren Kokon der gesellschaftlichen Feindschaft. Ich befüchte diese Form der Eigentherapie können wir uns nicht mehr leisten.

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