Fans 2.0: Wem gehört der Fußball?

Fans 2.0, web 2.0, fussball. soccer

Wäre der FC St. Pauli eine Web 2.0 Community, dann könnte man seinen Wert leicht ermitteln. Ist er aber nicht. Das mit dem “Wert ermitteln” könnte aber dennoch nötig werden, wenn das Beispiel vom FC Liverpool Schule macht. Dort wollen seine Fans ihren FC kaufen, ihn aus den wirren Händen von Finanzinvestoren befreien, die sowieso keine Ahnung von seinem wahren Wesen haben.

In Deutschland, wäre das im Profifußball wohl am ehesten beim FC St. Pauli zu erwarten.

Natürlich ist die Situation hier, wo sich dutzende Generationen von Rechtspflegern bereits mit dem Vereinswesen und seinen Abgründen beschäftigten, eine andere als in England, wo der regionale Football Club noch traditionell dem regionalen Industriemagnaten gehört, oder eben einer Investorengruppe aus New York.

Fans haben da noch weniger zu bestellen, als in deutschen Ligen.

In Zeiten der Globalisierung kann der wirtschaftlichen Bedeutung einer regionalen Sinnstiftung, wie einem Fußballclub, nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet werden. Denken wir das mal durch. Meinetwegen am Beispiel Sankt Pauli:

Derzeit hat der FC St. Pauli über 6.700 Mitglieder. Und noch zehnmal soviele Fans, konservativ geschätzt. Rechnen wir also mit rund 80.000 Interessierten für unsere Clubanteile.

facts:
Merchandising Umsatz 2007, rund vier Millionen Euro (HA)
Umsatz mehr als 17 Millionen Euro (2000/2001, HA – hab leider keine aktuelleren Zahlen gefunden auf die Schnelle)

Die Zahlen bedeuten, der Verein ist gesund.
Nun kann man höchst wissenschaftlich den Wert des Start-Ups FCSP anhand diverser Methoden ermitteln, wie der “Discounted Cash-Flow“-Methode oder das so machen, wie damals in dem Handelshaus in dem ich lernte. Man trank da einen oder zwei Schnaps, sah sich den aktuellen Umsatz an und legte nochmal soviel drauf. Nach eine Weile, bei Anwendung der Methode, sieht man dann die Zahl 34 Millionen.

Anders als für Rogan Taylor, der für den FC Liverpool satte 500 Millionen Pfund auftreiben müsste, ein Schnäppchen.

Findet man nun 1.000 Paulianer, die bereit sind, für 25 Jahre zehn Jahre pro Jahr 3.400 Euro zu zahlen, käme man auf einen Investitionspool, der 34 Millionen EUR hielte – die Kaufsumme. Damit ließe sich doch was anfangen.

Wenn ich jetzt noch daran denke, dass diese Anteile über Generationen in einer Familie gehalten werden könnten, wie die Dauerkarten auf der Gegentribüne heute schon, dann manifestiert sich der Fan eigene Fußballclub vom Kiez langsam vor dem geistigen Auge.

Die lebendige Kultur, Belange des Kiez und seiner Menschen und die Anforderungen des Profifußballs im Diskurs zu regeln, würde um die Macht ergänzt, dies auch durchsetzen zu können, wenn die Fans auch Eigentümer sind. Besser noch, die Verantwortung machte wirklich bessere Menschen aus uns, oder?

Ein gutes Investment wäre das allemal, wenn man bspw. an die On-Demand-Rechte der Spielübertragungen denkt und diese selbst vermarktete. Über ein Fanprojekt, das alle Quik-Handy-Streams und alle Tweets aus dem Millerntor aggregiert und mit hochauflösenden Profibildern ergänzt, kann man ja mal nachdenken.

Bei einer Subscription Fee von 19,10 Euro im Monat und geschätzten 20.000 Zusehern pro Spiel (1/4 unserer Fanbase), ein zukünftiger Umsatzbringer von 4,58 Millionen Euro im Jahr, der auch noch Spaß macht und uns, den Fans, gehört.

Ich spinne mal weiter … bis Sonntag.

4 Replies

Ergänze