FC St. Pauli – Union Berlin Vorspielinterview: Die Stadionfrage (1)

1.) Wir dachten, St. Pauli sei im goldenen Westen, aber die Stadionfrage begleitet Euch ja mindestens genauso lange wie uns. Welche Probleme gab es und mit welchen Einschränkungen müsst ihr während des Umbaus leben? Gab es bei euch ebenfalls Überlegungen, die Fans am Bau zu beteiligen?

fragte Sebastian in seiner ersten von fünf Fragen als Vorspiel zum Sonntags-Klassiker am Millerntor. Herzlichen Dank an René Martens für die schnelle Antwort, denn keiner kann diese never-ending Story besser erzählen, als Du:

»Einige Teilaspekte von Frage 1 kann ich kurz anreißen.
Da das Thema Stadion-um bzw. – neubau uns seit 1983 begleitet und es sich bei dem Modell, das sich jetzt in der Umsetzung befindet, um ungefähr das achte handelt (über die genaue Zahl lässt sich streiten, das hängt davon ab, ob man bestimmte Untervarianten als eigenständiges Modell betrachtet), lässt sich zu den Problemen nur so viel sagen: Es gab praktisch jedes Mal andere.

Zu den Problemen, die es beim Bau der Südtribüne gab, vielleicht so viel: Die Planung war in vielerlei Hinsicht unprofessionell, der externe Projektleiter agierte sehr oft sehr befremdlich (glücklicherweise mischt der Bursche beim weiteren Neubau nicht mehr mit). Außerdem wurden wesentliche Teile des Konzepts nicht umgesetzt. Unter dem Schlagwort „St. Pauli antik“ war angekündigt worden, den Charme des alten Stadions auf innenarchitektonischem Wege ins neue Bauwerk zu transferieren. Von diesen Ideen ist aber fast nichts übrig geblieben.

Ein Problem war sicherlich auch, dass es mit der Fanbeteiligung – um ein weiteres Stichwort aufzugreifen – nicht hingehauen hat: Ende August 2007 löste sich die so genannte Lenkungsgruppe auf, die aus Fanvertretern und Mitgliedern des Amateurvorstands bestand – und beim Stadionbau eigentlich als eine Art Beirat und Kontrollgremium für die operativ tätige Projektgruppe fungieren sollte. In einer Stellungnahme zur Auflösung heißt es: „Nach nun genau einem Jahr und zehn Treffen dieser Lenkungsgruppe“ sei „die Einbindung von FanvertreterInnen gescheitert“. Die gesamte Lenkungsgruppe sei „in diesem Jahr in keine der anfallenden Grundsatzentscheidungen eingebunden“ gewesen, „eine Überwachung der Projektgruppe konnte nicht stattfinden“.

Wer mehr lesen will: in dem Buch „Niemand siegt am Millerntor“ finden sich zwei Kapitel zu diesen Themen (‚À là recherche du temps perdu. Die Geschichte der nicht realisierten Neubauten“ und „Status quo vadis. Die lange Geschichte einer noch jungen Tribüne“ und in „Wunder gibt es immer wieder“ eines („Das lange Warten. Der beschwerliche Weg zu einem neuen Stadion“).«

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