Geld mit Gewalt?

3. Halbzeit

Die Dritte Halbzeit ist für viele der jungen Rowdys sowas wie Sport mit anderen Mitteln. Eigentlich dumpfe Gewalt ohne Maß. Wer aber ehrlich ist und sich daran erinnern kann, wie Filme, wie The Wanderers einen selbst prägten, der kann in dieser Form des organisierten Gerangels (was es im besten Fall ja sein soll) sogar eine robust-romantische Jungenphantasie erkennen.

Gefährlich Kriminell wird es dann, wenn sich zu diesen Lümmeln noch braune Rotznasen gesellen, wie das leider oft in Ostdeutschen Fanszenen der Fall zu sein scheint. Gestern an der Hoheluft waren es 200 Chemnitzer, die das Stadion vorzeitig verließen. Ob sie mit den an den Straßenecken rumhängenden USPlern verabredet waren, weiss ich nicht. Gute Bekannte sind diese Fanszenen allemal – und auch wenn mein Herz für den FCSP und auch für seine Anhänger schlägt, das sah schon sehr nach Verabredung aus. Revanche vielleicht.

Nazis aus unserer schönen Stadt zu vertreiben und auch noch rangeln dürfen, das hat schon was romantisches, in einer Welt, in der die pomadigen Erwachsenen nur schleimige Antworten zu den Fragen der Welt zu offerieren haben, wenn sie sich überhaupt für das Problem interessieren.

Gar kein Verständnis jedoch bringe ich für Geschäftemacher auf, die in dieser Szene von der Gewalt leben, bspw. online die passenden Devotionalien, wie Thor Steinar, feilbieten und die via Google die Frechheit besitzen auf meinem Blog zu werben.

Der Versender sitzt übrigens in Chemnitz, wie passend.

4 Replies

  • Dritte Halbzeit
    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

    Dritte Halbzeit ist ein Ausdruck für Ausschreitungen vor und/oder nach einem Fußballspiel. Er wird hauptsächlich in der Fan- und Hooliganszene verwendet und ist manchmal auch Teil des Namens einer Gruppierung. In diesem Zusammenhang wird auch oft vom „Sieger/Verlierer der Dritten Halbzeit“ gesprochen, wenn eine Gruppierung den Kampf gegen eine feindliche Gruppierung gewinnt/verliert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dritte_Halbzeit

  • Kein Verständnis für Geschäftemacher? Verstehe ich nicht, es ist doch nur der konsequent folgende Schritt, der jeder Mode oder (Jugend-)Bewegung immer schon folgte, ob Hippie, Punk, Öko oder Hool. Antikommerziell, antikapitalistisch, rebellisch? Damit lässt sich doch am meisten Geld verdienen, das weiß man nicht zuletzt bei St. Pauli, wo der Totenkopf zum Klischee zu verkommen droht (auch wenn viele das nicht hören wollen). Letztlich ist es nicht mehr oder weniger romantisch als so eine Prügelei selbst.

    Ob man sich nun diesem oder jenem Diktat unterwirft – oder eben auch nicht, kann jeder frei entscheiden. Wer nicht frei sein will, ob auf Nazi- oder USP-Seite, weil er sich kommerziellen oder habituellen Regeln unterwerfen _will_, tja… (was würden diese Hohlköppe bloß ohne Feindbild machen? Sich ein neues suchen? Sich zu Tode langweilen?)

    Ich habe allerdings auch nie verstanden, was heutiger Hooliganismus – sozialromantisch verkitscht, weil die Spaßgesellschaft ihre Rechtfertigung sucht – mit ‘The Wanderers’ zu tun haben soll. Hinterher schmeißt man seine online georderten Utensilien in den Kofferraum seines 911 und parkt in der Tiefgarage seines Lofts, wahlweise Schanze oder F’hain. Papas Anwalt wird’s im Zweifel richten.

  • “Papas Anwalt wird’s im Zweifel richten.”

    … ich bin irgendwie nicht Deiner Meinung, brauche aber noch ein wenig, um mir klarzuwerden warum.

    Irritiert erinnere ich mich daran, dass die übelsten Schläger damals Kinder der feinen Leute aus Blankenese waren. Da fällt auch Verständnis schwer, dass man später für die Sankt Pauli Champs bspw. schon wieder aufgebracht hat.

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