Google Boulevard

“Die sonst so diskrete, scheinbar abstrakte Überwachung in weit entfernten Rechenzentren ist auf einmal offenkundig – und genau das scheint den Blick auf die ganze Onlinewelt zu verändern”,
schreiben Karsten Lemm, Dirk Liedtke und Stefan Schmitz in ihrem Google-Streetview-Artikel “Google sieht dich an” – und treffen so ziemlich genau den Kern der Debatte. Wer schon einmal beim Müll wegbringen auf seinen Facebook-Status angesprochen wurde, weiß was gemeint ist: die Schwerfälligkeit, mit der wir emotional begreifen, dass das Online-Leben immer auch ins analoge Echte zurückwirkt (wie zuletzt bei einem privaten WM-Viewing, das plötzlich public wird).

Da hilft es nicht viel, wenn verkopfte Raucher sich sachlich aber genervt mit den Kritikern auseinandersetzen. Es geht um Macht. Und um Selbstbestimmung.
“Wollt ihr lieber, dass der Staat oder Google eure Daten verwaltet?”, hat sinngemäß der Europa Chef von Google auf dem DLD mal gefragt. Meine Antwort: Keiner!

Eine wichtige Debatte, die wir gerade führen – da schadet es erstmal nicht, dass sie aus dem populistischen Sommerloch in die Öffentlichkeit fließt.

Mehr Gedanken zum Thema:
Der Welt-Boulevard und das Grundrecht auf Privates, Feb 2008
– “Informationelle Selbstbestimmung” ist ein deutsches Wort, eines von denen, die vielleicht irgendwann ins Amerikanische übergehen werden, wie Kindergarten oder Weltschmerz. Denn es ist eine urdeutsche und dennoch globale Befindlichkeit, die sich in diesem sperrigen Begriff widerspiegelt, Facebook und informationelle Selbstbestimmung, Nov 2007
– Wenn ich jetzt ein Stalker wäre, Dez 2007
Wir sind die Einwanderer von Digitalien, Feb 2009
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