Google vs Verleger – no-index als Experiment

Piratin Google»Wer die Leistung anderer nutzt, muss auch dafür bezahlen. Ein angemessener Anteil an den Werbeerlösen steht den Urhebern von Nachrichten und redaktionellen Angeboten zu.«

… schreibt Sven Scheffler, Chefredakteur Handelsblatt.com neben anderen bei Meedia. Gemeint ist Google, das mit seinem Adwords-Programm wesentliche Spendings der Werbeindustrie auf seiner Suchmaschine konzentriert, Werbebudgets, die früher einmal in die Taschen der Verlage und Sender geflossen sind.

Nun beschreibt Sven Scheffler vortrefflich das symbiotische Verhältnis, zwischen Verlegern und Suchmaschinen, das ich hier mal „biete Inhalt gegen Aufmerksamkeit“ genannt habe. Je mehr sich die Werbebudgets nun in Richtung Suchmaschine verschieben, desto mehr wettern Verlage gegen diesen „Deal“. Er erscheint ihnen unfair, wenn Google eine Liste von Suchtreffern zu einem gesuchten Sujet indiziert und außer den inhaltlich relevanten Treffern noch Werbe-Partner priorisiert ausliefert, die sich eben diesen Platz an der Quelle des Nutzerinteresses einiges kosten lassen.

Die einzige denkbare Lösung: Google beteiligt jede in einem Suchergebnis aufgeführte Website mit einem Anteil an den Werbeerlösen.

Entweder konkret oder pauschal. Einen Unterschied zwischen Verlegern und anderen modernen Grundrechtsträgern, wie Bloggern, bspw. kann man da dann aber nicht machen, sind letztere doch ebenfalls Publizisten, die unter den geforderten Schutz fallen würden. So, wie übrigens auch alle SEOs, Index-Spammer und Porno-Fritzen!

Spätestens, wenn man sich ein Procedere ausmalt, das dies berücksichtigen soll, wird deutlich: das ist so nonsens. Der nächste Gedanke wäre eine 2-Klassen-Indizierung, Verlage zuerst?

Herzustellen wäre dies nur durch die Drohung, dass alle deutschen Verleger ihre Seiten mit no-index versehen, um dann festzustellen, dass die Ergebnisse der Suchtreffer-Listen „schlechter“ werden.
Google sie also dringend braucht.
Oder auch nicht.

Va banque Hubert!


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Chris Anderson im Guardian: „Newspapers need to find the ‚pet for their penguin'“, was soviel heißt, dass Verleger ihre Perlen identifizieren müssten, die es lohnt zu kaufen.

… ansonsten findet internetmarketing-news Burdas Vorstoß „verzweifelt und „schwachsinnig“; der Fischmarkt erkennt leicht verkopft ein Teilungsproblem; Mike fasst alles zusammen; Thomas hat den schönsten hinkenden Vergleich, „Eintritt für Kioske“ – herrlich; und der Kaliban fragt sich „was denn in den Medienhäusern da so Schützenswertes produziert wird.“

2 Antworten

  • Eine Variante, die mir gerade noch einfällt: Alle Verleger lassen ihre Inhalte von Microsofts ‚bing‘ exklusiv indexieren – und sperren den Google-Bot aus. Das wäre dann mal publizistische Macht … ;)

  • Pingback: www.lieblnk.de

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