Gute Bahn, böse Bahn

Von Kiel nach Altona fährt sonntags am Nachmittag ein InterCity, der in sagenhaften 60 Minuten die Ostsee mit der Elbe verbindet. Und hier durfte ich heute beides Kennenlernen, das was ich hasse an der Bahn und das, was ich mag; ihre Beamten.

Kiel: Sonntag, 16:30 Uhr, im Reisezentrum ist tote Hose, eine Bahnbeamtin blickt mit einer Mischung aus Langeweile und Erwartung in meine Richtung. Ich steuere auf sie zu, als sie mir zuruft „Sie müssen eine Nummer ziehen“. Ich ahne schon, dass das nicht witzig gemeint ist, ziehe eine Nummer und warte ein wenig doof, ca. 30 Sekunden, bis die 392, meine Nummer – DingDong – auf dem Display erscheint.

Ich ordere erste Klasse nach Hamburg-Altona, ich bin in Spendierlaune mir gegenüber. Die Werbeaktionskarte der Bahn, die aus meiner 2. Klasse BahnCard eine der ersten Klasse macht verwirrt die korrekte Dame so sehr, dass sie mir ein Ticket ausstellt, das ausgerechnet für den IC ¡nicht! gilt! Das merke ich aber erst später.

Als ich das Bahn-Reisezentrum verlasse, höre ich hinter mir wieder ihre schnarrende Stimme, „erst Numma ziehen“.

Die Bahn fährt pünktlich los, gerade verspielt die Region in Mainz ihre Führung, als die Zugchefin ankündigt um „58 Neumünster zu sein“ (we will Neumünster at Fiftyeight) – ein bis zwei Minuten später fragt mich eine blonde Schaffnerin, ob alles gut zu verstehen gewesen wäre. „Ja, bis auf ein paar verschluckte Vokabeln“, antworte ich. Nun flachsen wir kurz darüber, ob Engländer wohl im Zug seien, sie geht dann nach vorn.

Ein paar Minuten später kommt sie zum kontrollieren meiner Fahrkarte und nun bemerken wir beide erstmals, dass mir die Nummerfetischistin in Kiel die falsche Fahrkarte verkauft hat. Oje, eigentlich müsste ich nachlösen, sagt sie, überlegt es sich dann aber anders, zerreist die Karte und zieht von dannen.

Der Zug stoppt dann noch kurz, weil ein „paar Bengel Schotter-Steine auf die Gleise gelegt haben“ und ich frage mich, ob die Bahn ihre besten im Zug und ihre schlimmsten am Schalter platziert …

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