Heimat Hamburg-Harburg: “Ej Alder, den reden wieder über disch”

1518438766_4b35fd6086

Es ist Sylvester, bei einem Linie Aquavit kommen Ö. und ich auf unsere Jugend zu sprechen. Von der Faszination, die die Gewalt auf den Straßen St. Paulis auf uns ausübte, die regelmäßig zu uns rüber schwappte, zu ihm nach Altona und zu mir ein wenig weiter westlich. Die Ahnungslosigkeit unserer Eltern, die Ignoranz, mit der die Probleme verdrängt, medial nicht thematisiert und dann von uns, wegen unseres Eintritts in die Erwachsenenwelt aus den Augen verloren wurden.

Nun hat Roland Koch das Thema zu einem Politikum gemacht. Es mithilfe der BILD auf den rotbraunen Boulevard geschleift. Unlautere Absichten darf man ihm da wohl unterstellen. Aber sind da „unsere“ besser? Wir, die wir mit einer Mischung aus erleichterter Distanz, gebildetem meist positiven Rassismus und Abscheu auf die Ereignisse um Sylvester in München schauen? Auf die Reflexe, die da in Medien und Politik, in uns ablaufen.

“Ey alder, den reden wieder über uns. Krass”, höre ich es auf den Schulhöfen und Bahnhöfen meiner Stadt. “Die Wichser, wie geil ist das den”.

Die Situation, dass 30 Champs auf dem Gänsemarkt meinen Bruder und mich umringen – aus purem Zufall, und weil wir einen der Jungs kannten, nichts weiter passiert ist – ist mir noch sehr gegenwärtig und 20 Jahre her. Das hätte durchaus so ausgehen können, wie die Situation in Harburg die Tage. Nix Neues also, und ein Grund weswegen sich Koch und Konsorten schämen sollten. So gehörig schämen. Tun sie vielleicht sogar und inszenieren deswegen dieses schwarz-bräunliche Dumpfdenkmanöver.

Natürlich gehören die Jungs, die den alten Mann totprügeln wollten, in den Knast! Auch die in Harburg. Ihre kleinen Brüder aber gehören pädagogisch mit aller Macht gefördert. In funktionierenden Vorschulen, als Deutsche erster Klasse. Imho der Kern dieser Debatte, dass da immer noch von Ausländern gefaselt und wirklicher gesellschaftlicher Fortschritt verhindert wird.

Ergänze