“Heimat Hamburg” vs. “Heimat Ankara”

hamburg beibt deutsch“Es ist schändlich”, sagte Henryk Broder eben bei Anne Will, “dass Erdogan, türkischer Ministerpräsident und zu Gast in Deutschland, die Katastrophe in Ludwigshafen für seine politischen Interessen benutzt”. Und er hat recht.

Das spielen mit den Gefühlen rückt in den Vordergrund. Erdogan nutzt die gleichen Mechanismen, wie Roger Kusch, wenn der auf seinen Plakaten fordert, dass “Hamburg deutsch bleiben” soll. Demnach sollen die Tüken in Deutschland besser türkisch bleiben.

Das ist Zündeln an einer Lunte, die keiner der beiden je wieder ausgepustet bekommt, wenn sie einmal brennt.

Einziger Lichtblick: durch das politische Interesse an den Menschen mit beiden Staatsbürgerschaften entsteht nun ein Wettbewerb, der positives bewirken kann. Der längst überfällige Schritt zu der Diskussion, was es denn bedeutet, Deutscher zu sein. Das sind seit der Novelle des Einwanderungsgesetzes nämlich alle hier geborenen Nachfahren dieser Immigranten. Spätestens in 20 Jahren, wenn die Kinder der Türkischstämmigen hier in Deutschland herangewachsen und im Besitz eines deutschen Passes sind, werden sie eine wichtige Wählerschaft für deutsche und türkische Politiker. Erdogan hat das erkannt und den ersten Schritt gemacht, um sie zu werben. Fehlt nur noch das Entstehen einer “HeimatAnkara” Partei.

Die deutschen Parteien, auch die konservativen, kommen nun um die Frage, was Deutschland für diese Wähler bieten kann, nicht herum. Die Gefahr, dass dieser Wettbewerb schmutzig wird, ist heute manifest geworden. Höchste Zeit diesem merkwürdigen Gast, und seinem provokantem Chauvinismus klare Signale zu übermitteln: Menschen, die in Deutschland geboren sind und hier leben, gehören zu uns. Deutschland hat hier viel zu bieten.

Update:
Inzwischen taucht bei YouTube das erste Hassvideo auf. Das ruft sicher auch in Deutschland die Vertreter des blutroten Boulevards auf den Plan.

Dieser Web-Beitrag zeigt wirklich die dunkle Seite des Internets, in der es radikale Fraktionen immer leichter haben, sich zu zusammen zu finden.
Es ist traurig. Aber das ist Social Networking einmal anders.
… blogt das Handelsblatt in unserem Sinne.

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