Herbst-Zeit-Lose


Gilt das eigentlich schon als Herbst, wenn das Gras zwischen den Gehwegplatten noch satt und grün ist? In der Sonne ist es noch warm, auch wenn sich die gelbe Sau nur noch schräg von der Seite auf die Welt traut.

Gestern wieder nix.
Zweimal 5 Eur, Zweimal 50 Eur und Zweimal 10.000 Eur. Immer übereinander. Perfide.
Habe dann Peter angerufen, und ihn ein wenig beschimpft. Er kommt gebürtig aus Berlin, dem Verlies der Wunderjahre, und für Menschen, die den Dienst an der Waffe nicht ertragen konnten. Heute legen dieselben ihre Kohle beim Ackermann an. Auch so ein Herbst. Ein europäischer Herbst. Der soll ja bekanntlich auch seine schönen Tage haben.

Bevor der November-Regen kommt, war gestern so einer. Ich schlendere mit Björn den Altonaer Balkon herunter, die Sonne schon auf halb acht. Die Hose seines Sohnes auch. Die beiden essen Eis, wir bestellen Bier. Schmeckt schon wieder.

Ein paar Familien sitzen inzwischen im Schatten und überlegen sich lautstark, ob das jetzt nicht ein bischen komisch aussieht, so im Schatten auf einer Picknick-Decke zu sitzen. Das Gör quengelt auch schon. Es hat das Eis der Jungs gesehen und will nun auch eins.

Oben spielen sie Boule, soweit das bei den Massen an Hamburgern geht, die sich da rumtreiben. So tun, als beginne der Sommer erst. Aber wer will es ihnen verdenken, fühlt sich sommeriger an, als meistens dieses Jahr.

Auf dem Nachhause-Weg sehe ich eine Nachbarstochter am Zaun von Klopstocks Friedhof stehen. Gedichte von 1796 rezitierend.
Armes Kind.

Unter Blumen, im Dufte des röthlichen Abends, in frohes
Lebens Genuß,
Das, mit glücklicher Täuschung, zu jugendlichem sich dichtet,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.