Heute kaufe ich Bücher nach Farben blau

Blaues Buch

Ich habe mir heute Taschenbücher gekauft, was zum Lesen. Habe sie nach Farbe ausgesucht, so wie verwöhnte Eppendorferinnen ihre grauen Windhunde zum Benz-Designer-Sofa. Das Sofa kann ruhig aus einer Insolvenz stammen, der Hund hat einen makellosen Stammbaum.

Max Frisch ist wandern, ich gehe segeln. Er besteht am Ende des Sommers aus Verlustängsten inmitten einer satten Natur. In Altona ist Spätwinter, und es würde uns alle nicht wundern, wenn der Frühling dieses Jahr ausfiele. Da passt Blau ganz gut dazu.

Die Farbe der Ferne, wobei Menschen in den Bergen ja nie von Fernweh sprechen, sondern von Fernsicht. Ein so technisches Wort, Fernsicht, physikalisch fast und so gegenpolig zu der verschlagenen Schönheit eines dümpelnden Meeres. Das schlimmste Blau, das Blau des Meeres nach einem Sturm, als könnte es kein Leben trüben, als wäre es nicht eben noch entfesselt, so wütend grausam und grau.

Sehe ich auf Berge, sehe ich in der Schönheit immer auch die Gefahr mit. Das Meer lullt uns ein, und verschlingt die Tapferen und die Doofen – ohne Mitleid und ohne Spur.

1937. Von der Spaltung zur Schmelze ist es nur ein Katzensprung.

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