HSV: Grobe Folklore

HSV: Grobe Folklore

Man kann es schlechtes Timing nennen, dass einen Tag nachdem der Chefredakteur der 11Freunde, Philipp Köster, im Abendblatt Paulianer und HSVer zu Fast-Freunden machen wollte, sich diese Folklore in Form von Fäusten und Stangen am Altonaer Bahnhof gewaltig manifestiert. Unsinn ist die Annahme, HSVer und Sankt Paulianer wären sich eigentlich ziemlich ähnlich, obendrein.

Sicher, werfen jetzt einige ein, diese Form der Folklore, auch Hooliganismus genannt, pflegen nur wenige. Der Umgang mit ihnen ist aber entscheidend. Und das ist der unüberbrückbare Unterschied zwischen Kultur und Folklore, zwischen einmischen und zwitschern.

Wer schon einmal mit einer vollen S-Bahn in Richtung Altonaer Volkspark gefahren und nach einem Spiel durch den düsteren Volkspark zurück, an der Autobahn und der Namen-gebenden Müllverbrennung in Richtung Hamburg, der weiß vielleicht, was ich meine. Unverhohlen wird hier mindestens grenzwertig gepöbelt, ohne dass irgendjemand einschreiten wollte. Alle anderen kommen spät mit dem PKW und fahren früh, nennen die Hools in der eigenen Fanschaft erleichternd Idioten, die nicht für den HSV sprächen. Ihre Gesänge geniessen sie dann im Familienblock. Für mich eine nur wenig harmlosere Kultur, als diejenige, die ich Anfang der 80er Jahre in Richtung St. Pauli verlassen habe oder die sich in Ostseenähe findet.

Nun klappt das Miteinander am Millerntor und vor allem auswärts auch beim magischen Anhang nicht immer, aber immer habe ich erlebt, dass andere Fans vehement eingegriffen haben, wenn es zu bunt wurde. Das wünsche ich mir vom HSV auch. Fasst euch ein Herz und verteidigt eure Kultur, und was von ihr übrig ist. Macht Transparente, schmeißt die Spacken raus aus dem Volkspark, die anderen Übles wollen. Und die Gäste aus Stellingen beschütze ich am Millerntor gerne persönlich, mit vollem Vertauen darauf, dass ich nie alleine stehe, wenn unsere Gastfreundschaft von innen bedroht wird. In diesem Sinne Willkommen in Hamburg, willkommen am Millerntor.

5 Antworten

  • Nein, für mich sind das keine „Idioten“. Und es erleichtert mich auch nicht, wenn ich sie hirn- und eierlose Gewalttäter nenne, die in den Knast gehören. Stadionverbot ist eh klar, greift ja aber zu kurz, da in und um die Stadien eher wenig passiert. Inzwischen liegen die Tatorte irgendwo auf Weg von und nach Hause.

    Es stimmt mich mehr als traurig, dass offenbar der HSV dieses Milieu von Leuten (immer noch) anzieht. Natürlich ist es so, je größer die Zahl der Leute, desto größer die Wahrscheinlichkeit das Leute dabei sind, die ihren menschlichen Kern verloren oder nie besessen haben. Dagegen muss sich der Verein und alle Raute-im-Herzen-Träger mit aller Macht stemmen.

    Aber die „Gesänge“ kommen ganz sicher nicht von solchen Typen. (Das welche von denen, die noch Zutritt haben, mitsingen ist nicht zu verhindern).

    Meine Toleranzschwelle ist sehr niedrig. Mich kotzt es schon an, wenn bei den Derbys „Die Sche*** kommt vom Millerntor“ intoniert wird, obwohl das vergleichsweise harmlos ist. Fan sein bedeutet eben die eigene Mannschaft nach vorne zu treiben.

    In diesem Sinne wünsche ich uns ein geiles Derby.

  • Man kann sicher sagen, dass meine Einstellung zum HSV wesentlich durch die enttäuschenden Erfahrungen meiner Fangeneration geprägt sind. Wahr ist, ich kenne viele HSVer, wie Dich, Knuewi, Pleitegeiger, Herrn Schmidt und Ned Fuller, unschlüssige, wie Nico die mir den HSV sympathisch machen- der grds. Kritikpunkt, dass außer Bekenntnissen nichts substanziell Sinnstiftendes passiert bleibt aber.

  • Naja, als Fans die auch noch ausserhalb von Hamburg weilen, sind konkrete Aktionen nicht die leichteste Übung. Der Verein und Fanorganisationen haben in den letzten Jahren sicher nicht wenig getan, um das Milieu zu ändern. Aber man darf nicht nachlassen.

    Auch wenn es alles Pipifax ist: ich habe gestern als kleine Puzzlesteine der Geschäftstelle des FCSP eine Mail mit Genesungswünschen und meiner Meinung zu den Vorfällen geschickt. In den Foren in den Xing-Gruppen gelesen und geposted. Ich habe Derbe-Hamburg angemailt, und vorgeschlagen ein extra Derby-Shirt aufzulegen und den Erlös in Fanprojekte zu stecken.

    Und bin so eben der facebook-Gruppe HSV – St. Pauli Fanfreundschaft beigetreten. Das ist alles ziemlich virtuell und wird nichts bringen, schon gar nicht bei solchen Leuten. Es hilft nur bei den kleinen anzufangen und freundschaftliche Verhältnisse kennen zu lernen und zu pflegen.

    Wenn ich ein Designhändchen hätte, hätte ich gestern sofort bei spreadshirt was reingestellt und versucht Geld zu generieren für den Weissen Ring o.ä.

    Hast du noch Ideen?

  • In meinem Block habe ich einen weiteren Versuch gestartet, die Derby-Zeit ein wenig zu entspannen. Es liegt ja nicht allein an den HSV-Fans, sondern auch an uns, daß alles so weit wie möglich friedlich wird – auch wenn sich Aussetzer mit Sicherheit nicht vermeiden lassen werden. Hoffen wir nur gemeinsam auf so wenige wie möglich.

    Bedenklich stimmt mich aber auch, wie wenig innere Einkehr in den Foren von Seiten etlicher HSV-Anjäger zu lesen ist. Mindestens neun von zehn Fingern scheinen auf die „bösen Paulianer“ zu zeigen, während nur mit dem letzten auf die „sind-aber-keine-HSV-Fans“ verschämt-verstohlen gedeutet wird. Solche Leute müssen die HSV-Fans erreichen, um die Veränderung herbeizuführen, die bei diesem Hamburger Fußballverein sehr offensichtlich von Nöten sind. Friedliche Fans sind aber gleichwohl in der Überzahl – und darauf zu verweisen, das lohnt gerade jetzt.

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