Ich mag Berlin, aber …

Ich mag Berlin, aber jedes Mal, wenn ich dorthin fahre, fällt mir etwas auf. Dieser Stadt fehlt etwas. Etwas so grundlegendes, dass man es sofort spürt, wenn man sie erlebt und die Menschen, die in ihr leben.

Ich meine es ist die Sehnsucht.

Nehmen wir Paris zum Vergleich. Die Stadt der Liebe, deren tiefe romantische Sehnsucht auch das immerwährende Leben als Klischee nicht kaputt kriegt. Oder Rom, wo der Liebe noch das Ewige hinzu gelebt wird. Sie ist nicht immer da und manchmal muss man lange dastehen und suchen, um sie zu spüren. Das weiß jeder, der schon einmal hilflos in Paris Metro gefahren ist. Während eines Streiks übrigens, interpretiert man das Ewige an Rom auch anders.

Trotzdem ist diese Sehnsucht immer da, prägt Menschen und Orte. Fließt überall heraus, am deutlichsten abseits der Hochglanzbroschüren, die wiederum oft so sind, wie die aus Berlin. Das liegt aber eher an der ähnlich wirkenden Abwesenheit von Notwendigkeit in den Stadtmarketingstuben dieser Welt. „Be Rom“ klingt trotzdem komisch, vielleicht weil da schon was ist, ein Sein größer als das Werbesprüchlein eines Fuzzis, sei er Römer, Berliner oder sonst wo her.

Das funktioniert übrigens auch im deutschen Vergleich. Die Sehnsucht nach der Ferne bspw. in Hamburg, die Kombination aus Bier und Leben in München, wahrlich das Herz anrührend diese Lebenskunst. Die höchste, die sich noch deutsch nennen darf.

Sicher, sexy ist Hamburg auf den ersten Blick nicht, dafür gesellt sich zur spröden Schönheit und Eleganz etwas dazu, die freiheitlichen Schwestern Altona und St. Pauli, ihr Hafen, der Inbegriff von Fernweh, der Sehnsucht nach Freiheit und wahrer und schneller Liebe. Diese Sehnsucht gibt Erhabenheit, bei all dem Schmuddel. Würde. Aus dem Versprechen geboren, dass man sich in Hamburg seit ewigen Zeiten gibt. Wiederzukehren aus der großen Welt, der man sich neugierig verbunden fühlt.

Das alles fehlt Berlin. Ein trauriger Bär. Der jüngste schon so tragisch schnell in die Jahre gekommen, dass man ihn nun in Nürnberg besucht und eigentlich Niedersachse. Traurig.

Eine aggressive alte Tante diese Stadt. Überkandidelt, wie ihr Buergermeister. Sie verspricht nichts, und hält noch weniger. Bar jeder Sehnsucht und ohne die, ist auch Armut nicht sexy, sondern nur erbärmlich.

Nun macht man sich falsche Vorstellungen, wenn man meinte ich möge Berlin doch nicht. Ich mag es sehr wohl, habe Freunde und liebe Feinde dort. Dennoch, ich glaube man kann sich einige Sperenzchen der Hauptstädter erklären, wenn man um ihr Defizit weiß. Das Grummeln und überhebliche Schnoddern, nehme ich dann meist als stille Bestätigung dafür. Bis gleich.

4 Replies

  • Wunderbar gesehen. Ich erlebe Berlin auch eher als zusammengewürfelten chaotischen und Haufen ohne Botschaft. Für was steht Berlin? Gemeinhin für “Verwaltung” und “Kreativität”. Zwei gegensätzliche Konzepte. Nein, nicht für Liebe oder Sehnsucht.

    Nur ein einziges Mal habe ich in Berlin eine besondere Atmosphäre gespürt. Die war aber auch absolut einmalig. Während des “Wrapped Reichstag” von Christo auf dem Platz davor. Ein Moment von grosser Ausstrahlung. Es hat alle gepackt, die da waren.

    Deinen Text habe ich sofort gewongt.

  • Das Empfinden kann ich nicht teilen. Das was Du an Berlin vermisst, meine ich in Berlin zu finden! Ich liebe diese Stadt! Es ist die schönste Stadt Deutschlands. Egal wo ich bin, ich werde immer Sehnsucht nach Berlin haben. Sie zieht einen einfach an irgendwie.

  • Die Meinung von Just a little Mama kann ich nicht teilen…Berlin ist mir zu groß! Dann lieber Hamburg mit seinen Gegensätzen oder das versnoppte Düsseldorf :)
    Aber eben übersichtlich!

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