Im Sommer frei

Wenn ich erwache, morgens meist, dann schaue ich auf eine Oase. Grün ist es hier jetzt im Sommer und von einem Wall umgeben in dem Menschen wohnen. Der Putz bröckelt leise von den Mauern, manchmal höre ich es rieseln nachts.

Streetart BerlinDie Flasche Wein drückt noch ein wenig in meinem Kopf, viel mehr als Schlappheit bleibt nicht mehr von so einem bisschen.

Die erste Morgentoillette ist schnell gemacht. Das mag ich so an der Spree, dass sie sauber ist und warm und mich dennoch erfrischt. Nun geht es hinaus aus meiner Burg zwischen Oberbaumbrücke und Kreuzberger Nacht. Hinaus in den umzingelnden Wahnsinn von hetzenden Menschen und den vielen Touristen. Ich mag die leiden, die meisten, und doch sehen sie mich nicht. Mir tun sie leid, je mehr Mitleid aus ihren Augen spricht, dieses schnell abnehmende Mitleid, das eigentlich nur dazu dient den wohligen Schauer des Grauens auszukosten, wenn die Vorstellung, man sei ich, der Erkenntnis weicht, es doch nicht zu sein.

Dabei, und das meine ich ernst, bemitleide ich sie. Im Sommer zumindest. Dann und nur dann bin ich in Berlin. Mein Berlin, das leise und betrunkene. Das grüne Berlin, ohne Stahl und Glas.

Im Winter dann zieht es mich nach Hamburg. Wärmer, in allen Belangen. Solange die Flora bleibt, bleibt sie mein Bad Gastein. Hamburg, ach, der Winter, grausamer.

Dieser Artikel sollte eigentlich beim Spreeblick erscheinen, in der Sommer-Reihe „Open Spreeblick„. Leider waren die Jungs in Berlin zu dösbaddelig den Artikel zu veröffentlichen. „Wer nicht will der hat schon“, pflegte meine Oma zu sagen …

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