Jena ist nicht Braun, es ist weiss

Ich habe den Aspekte Beitrag, um den es nun soviel Empörung gibt gesehen, und fand ihn zwar ein wenig merkwürdig, aber nicht tendenziös. Gewundert habe ich mich eher, dass der Schriftsteller Steven Uhly sich ausgerechnet in München vor Rassismen sicher fühlt. Das Sujet, dass sich Menschen mindestens unwohl fühlen in der ostdeutschen Provinz, die nicht in das Bild vom Mehrheitsdeutschen passen, ist allerdings auch in meinem Bekanntenkreis permanent vorhanden und ein wichtiges, einerlei, wie merkwürdig es inszeniert sei.

Ich habe mehrere Freundinnen, die nie wieder einen Fuß nach Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg setzen. Bis Thüringen sind sie nie gekommen und ihre Geschichten hören sich für einen weißen, blonden Mann so abstrus an, dass man sie kaum glauben mag. Geschichten von Übergriffen, von Anzeigen und der Weitermisshandlung durch Sicherheitsbeamte sind mir geläufig, da ist es kein Wunder, dass diese Freundinnen es nie nach Jena geschafft haben.

Als Jenaer kann ich nun auf zwei Arten reagieren.

Ich kann die Ängste vieler Deutscher mit Migrationshintergrund ernst nehmen und versuchen, Vertrauen zu schaffen. Mindestens darüber zu reflektieren, woher so ein Gefühl wohl kommt.

Oder ich kann mich angegriffen fühlen, und dem ZDF tendenziöse Berichterstattung vorwerfen, um dann das Thema zu relativieren.

„Jena ist nicht brauner, als der Rest Deutschlands“, ist dann oft nur eine Variante von „die sind sonst nicht da“, die man vornehmlich in Rostock, Dresden und , ja, auch Jena hört, wenn es um Nazihools im Stadion geht – und die falsche Reaktion, wenn man sich auseinandersetzen möchte.

Ein Freund von mir hat ein Ferienhaus im wunderschönen Cammin in McPomm. Er hat mich schon lange eingeladen. Ich komme gern, habe ich ihm gesagt, aber nur, wenn ich mit meinem FCSP Shirt morgens zum Bäcker kann. Er hat seine Einladung bisher nicht wiederholt.

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