Leerverkäufe verbieten, 3 Strikes and you’re Out Mister Ackermann

Es ist ein seltenes Glück, dass wir nicht von ZEIT-Autoren regiert werden. Die haben nämlich in ihrer jüngsten Einschätzung zur Euro-Schuldenkrise nichts besseres anzubieten, als einen totalen Bail-out.

Hosen runter, Beine breit. Kein Wort, keine Zeile zu dem Problem, dass eine Verschuldung erst fiebrig und lebensgefährlich macht: das Wetten darauf, dass Staaten Pleite gehen und mit ihnen Deutschland und die EU.

Wenn ich das richtig verstehe (und das Wort verstehen ist ja schon zu hochgestochen für ein vages Annehmen), dann bezieht die aktuelle Situation ihre Brisanz daraus, dass alle Staaten einer vernetzten Welt mehr oder weniger gleichzeitig Schuldner und Gläubiger sind. Zuletzt noch stärker dadurch, dass sie Banken schimmelnde Staats- und andere Anleihen abgenommen haben. Nun bedeutete eine Staatspleite Griechenlands nicht nur, dass bspw. Deutschland weiterhin Schulden hätte, und ihnen die Forderungen wegbrächen, es haftete auch noch für die eigenen Forderungen. Statthaltend für Griechenland, zumindest indirekt über den Euro-Rettungsfond, die EZB und ihre Anteile an Bad Banks.

Soweit so schlimm.

Katastrophal wird diese Situation nur, wenn diese Schulden quasi durch Vertrauensverlust sofort fällig würden. Und da kommen die Banken und Investoren ins Spiel, denen die Bürger der EU eben noch ihre Staatsanleihen abgekauft haben. Sie wetten nun auf das Zugrundegehen von Gemeinwesen, wie Deutschland und Frankreich, über Instrumente wie Leerverkäufe. Das ist ungefähr so, als hätten die Bedürftigen, denen der Heilige Nikolaus seinen Mantel gab, ihn ganz seiner Kleidung entledigt, mit Schnee überhäuft und zugesehen, wie er erfriert. Dabei hätten sie ihn noch als nackt verhöhnt.

Sehr ich das richtig, dass das Wetten auf die Pleite immer weiter geht, solange wir noch etwas anhaben? Dann muss man das Wetten verbieten! Und das wird immer schwerer, je kälter einem wird. Längst freuen sich bspw. die Politiker in den USA, dass Saurons Blick sich an Europa und dem Euro festgesogen hat, eine trügerische Freude, wenn man selbst bis zum Hals im Modder steckt, aber man friert nicht so doll, wenn das Zähneklappern der anderen das eigene übertönt. Auf die USA und Großbritannien können wir nicht mehr hoffen, zu hörig sind sie den Finanzakteuren schon zu lange.

Verbietet man also Leerverkäufe muss das kontinentaleuropäisch Konsequenzen haben, und weltweit gelten. Ich stelle mir vor, dass Merkel und Sarkozy am Sonntag ein Verbot von Leerverkäufen europäischer Staatsanleihen beschließen. Jede Bank, Versicherung oder jeder Investor, der dabei erwischt wird, dass er oder eine seiner Tochter- und Schwiegerfirmen irgendwo auf der Welt auf die Pleite von EU-Staaten wettet, wird die Banklizenz entzogen und verboten jemals wieder in Europa Geschäfte zu machen.

Ich sehe schon das Verplomben der Filialen der Deutschen Bank vor mir. Three Strikes, You are out. Ich wette das wirkt. Wieso die Redakteure der ZEIT sowas nicht diskutieren ist mir ein Rätsel.

Ergänze