Leichtmatrosen in der Muschel

Unten am Fluss, unten am Hafen

Symbole sind gut. Und Christian Wulff, mit FF, ist so eines. Mit geradezu erleichterter Vehemenz stürzen sich nun die Matrosen und Kapitäne der vierten Gewalt auf das machtlose Maskottchen, die graue Galionsfigur unserer Republik. Hurrah, wir sind wieder wer, zumindest wenn wir es schaffen das ungeschickte Staatsoberhaupt aus seinem Amt zu mobben.

Beinahe eine Ewigkeit schreiben sich FAZ, Sueddeutsche und Co. nun schon die Finger wund, und keiner mit Macht nimmt es ernst. Für die Regulierung der Finanzmärkte, für einen Diskurs über globale Liberalität. Alles verpufft kläglich an der Mauer der Ignoranz, die Bundes- und andere Politiker um sich herum bauen. Keine Diskurse, nur alternativloses Abnicken. Da fühlt man sich als vierte Gewalt schon ein wenig überflüssig. Und allein die Allianz, im gegenseitigen Schlawenzeln zu verbergen, wie machtlos alle Protagonisten tatsächlich geworden sind, ist auf die Dauer ja auch, hmm, unbefriedigend.

Da kommt der Wulff, mit FF, gerade recht. Doof stellt der sich an. Ein gefallener Provinzapostel. Grau und nett. Hannover halt. Nun können wir uns selbst demonstrieren, dass wir doch noch Macht besitzen. Merkel kriegen wir nicht mehr, nehmen wir als Symbol ihn. Christian Wulff zu bashen ist eigentlich zu einfach aber für uns zu verlockend. In einer Welt, in der jeder drittklassige Fußballpräsident uns Medien besser im Griff hat, als er, ist das zwar nur eine Ersatzbefriedigung, aber immerhin. Ausgerechnet unter der Flagge der BILD zu moralisieren ist natürlich billig, aber was tut man nicht alles für einen warmen Schauer.

… und der doofe Wullf wird mir dabei immer symathischer. #firstworldproblem

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