Medien-Shizophrenie

Schizophrenie (von altgriechisch σχίζειν schizein „abspalten“ und φρήν phrēn „Zwerchfell, Seele“) ist als eine Diagnose für psychische Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität gekennzeichnet, wobei verschiedene symptomatische Erscheinungsformen unterschieden werden.

Ich erlebe gerade und immer wieder dieses komische Gefühl, wenn das, was man im verlängerten Wohnzimmer, seinem Blog oder dem Millerntor so von sich gibt, eben von einem Ort aus, an dem man sich heimisch und geborgen fühlt, in Medien landet oder auf anderen Blogs. Wenn sich Menschen damit auseinandersetzen, die mich gar nicht kennen, sondern nur das von mir publizierte.

Eigentlich müsste ich mit diesem Gefühl umgehen können, mache ich das doch schon eine Weile. Aber immer wieder ist es neu und verwunderlich. Genau wie die Geschichte in dem Berliner Café, wo mir der Besitzer von einem Artikel erzählte, den er besonders schön fand. Der dann von mir war und ich nicht wusste, wie ich mit einem “Leser” umgehen sollte, so von Angesicht zueinander, ein paar Zentimeter entfernt.

Oder, nu da ich spätestens durch Nico als geoutet gelten kann, wenn Spiegel Online meine glückseligen, im Affekt enstandenen Kommentare am Millerntor zu einem Artikel verwendet. Dann ist das komische Gefühl wieder da, dass ich die heimelige Atmosphäre dort nicht mit der Öffentlichkeit eines solchen Artikels vereint bekomme. Irgendwie sind das, gefühlt, zwei voneinander abgespaltene Vorgänge. Bei denen ich mich immer wieder wundere, naiv wundere, wie die dann so in der öffentlichen Welt nachwirken.

2 Replies

  • Moin Jake,
    “Habe ich auch nur gemacht,” ist ja völlig in Ordnung. Das macht man ja hier zur Hälfte für sich und zur anderen Hälfte für sein Ego, das eben gerne zitiert wird ;)

    Gerne immer wieder hierher verlinken, das ist schon dann mein Problem ;)

  • Gut. Geht mir ähnlich beim Verlinken auf Texte (und O-Töne) von Menschen, die ich gar nicht kenne. Habe ich auch nur gemacht, weil ich die Tatsache lustig fand, dass jemand während eines Fußballspiels in sein Handy redet. Und weil St. Pauli gegen Hoffenheim gewonnen hat. Und weil ich in München wohne und St. Pauli das letzte mal hier in der Arena gesehen habe, wo sie unglücklich gegen 1860 verloren haben. Insofern: You’ll never talk alone!

Ergänze