MTV – kill yourself

MTV. Das war damals, wie Johnny so schön beschreibt, der Unterschied zwischen “coole Sau” und bundesdeutschem „Lamertum”.

Es gab eine Zeit in der derjenige plötzlich viele Freunde hatte, der das richtige und damals seltene Kabelprogramm zuhause hatte. In der Hansestadt Hamburg lebten die coolen Jungs plötzlich alle im Norden oder in Kaltenkirchen. Da war es schon ausgebaut das Kabelnetz mit MTV drin. Der Ikone aus dem so bewunderten Großbritannien.

Oder man hatte das Glück einen Onkel in Amerika besuchen zu dürfen. Eigentlich hatte man sowieso nichts anderes vor, als den lieben langen Tag Fastfood zu knabbern und das noch coolere U.S.-MTV zu schauen.

Ray Cokes & Co. und vor allem die bezaubernde Marijne van der Vlugt machten mächtig Druck und alles anders als die biederen “FormelEins“-Moderatoren vorher. Als MTV auf Deutsch sendete wars dann aber auch fast schon vorbei mit der popkulturellen Herrlichkeit. Fast so, wie der Umzug der Loveparade, weg vom Ku’damm.


Christiane Backer löste dann Susanne Reimann von Tele5 als BRD-Musik-Ikone ab, ohne sie jedoch irgendwann in Stil, Ausstrahlung, Wissen und sexyness erreichen zu können. Auf Deutsch verflog die Aura des weltumspannenden „FREE YOUR MIND“-Spirits dann. Erst die durch VIVA erzwungene komplette Ausrichtung auf Deutschland brachte den schon vermisst geglaubten Geist zurück. 1998. Aufbruchstimmung bei MTV Deutschland. Eine Stimmung, die auch das Erscheinen der Doppel-Salm nicht trüben konnte. Eine Phase, die ich glücklicherweise mitmachen durfte.

Eigentlich ist es heuer wieder an der Zeit, dass MTV sich neu erfindet. Alle Videos sind gespielt, alle Varianten des Visualisierens von Musik, bis hin zu ominösen Froschwallpapers, ausprobiert. Es wird Zeit für MTV 2.0.

Ansonsten nicht wundern, wenn irgendwann Gorbi vorbeischaut und man kurz nach der großen Geburtstagsparty die Lichter aus und die Grenzen des eigenen Mediums aufmachen muß.

Logo: via wikipedia

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