“Not und Elend”-Tour nach Bremen

Winterwunderland
Am Sonnabend gab es den ersten (selbstgekochten) Grünkohl der Saison als Belohnung für klirrend kaltes Anstehen nach den ersten Stehplatztickets zur Rückrunde. Der Winter zog ein, morgens kroch er frierend in meine Schuhe, abends wärmend und kräftig in Form von Kochwurst und Grünkohl in meinen Magen. Am Sonntag machte ich mich dann auf den Weg nach Bremen. Es sollte eine nette Adventsausfahrt werden, mit einem Fußballspiel mittendrin.

In Bremen trafen wir auf einen Ottenser Nachbarn, der in Bremen aufgewachsen, uns in einer kurzen Stadtführung zum Weserstadion führte. Dort traf sich Braun- und Grün-weiss zum Vorspiel(-bierchen), die Sonne schien, es roch nach Winter.

Weserwiesen

Wäre Werder, wie die Bremer sind, fröhliche Gewinner und tolerante Gegensänger (die Tramfahrt nach dem Spiel war wirklich lustiges Gegeneinander-ansingen) , es wäre ein schöner Tag geworden. Aber schon am Einlass offenbarte sich Werders Hässlichkeit, die später auch die verrunzelten Charaktere Frings und Wiese auszeichnen sollte. Das System Charakterschwäche, das aus Siegern schlechte Gewinner macht und aus einem Stadion eine Käfighaltung, ist schon augenfällig in Bremen. Die Schikanen am Eingang kannte ich schon von Werder II. Und dann kam Hugo …

Flutlicht Werder Bremen

Es war ein glückliches Spiel für Werder Bremen, denn St. Pauli fand einige Mittel, keines wirkte. Thorandt lieferte die Generalmetapher, als er zum Schlusspfiff die rote Karte sah: wegen „rohen Spiels“. Das trifft auf St. Pauli insgesamt zu, wenn man es umdreht: kein bisschen abgekocht. Jede Möglichkeit zum Torschuss, jeder vielversprechende Abschluss wurde liegengelassen und vertändelt. Von zwei fantastischen Paraden Tim Wieses zu Beginn des Spiels beeindruckt, traute sich keiner der Hamburger mehr, den Abschluss zu suchen.

Beschreibt ausgerechnet ein Berliner Blog den Werder-Sieg treffend, den wir in der St. Pauli-Kurve fröhlich umdeuteten in einen “Auswärtssieg” – was soll man auch machen, nach zweimal Latte und zwei nicht-gepfiffenen Elfern? Wer keine Angst vor dem Abstieg hat (und den habe ich nicht, wirklich nicht!) – der darf in Schönheit sterben. Meinetwegen auch moralisch nur 3:4 gewinnen – aber bitte liebe Boys in Brown, schiesst doch mal wieder auf das Tor – wir sehen euch lieber mit der Pike scheitern als querpässlich zaudern – denn dieses “Bange sein” ist unserer Liebe nicht würdig!

Immerhin, auf der Rückfahrt haben wir eine Dame von der CDU kennengelernt, der wir netterweise all die Schuld geben konnten. Nun sind wir bereit für die Region, die sich überbordend vor Kraft auf dem DOM eine blutige Nase holt am Freitag, wenn das Millerntor wieder zeigt, dass Magie auch brachial sein darf.

4 Replies

  • „wir sehen euch lieber mit der Pike scheitern als querpässlich zaudern – denn dieses “Bange sein” ist unserer Liebe nicht würdig!“

    Wie wahr! Hach… in allen Teilen aus der Seele gesprochen (und der Käfig ist wirklich ‘ne Strafe für jeden Fan). Hoffen wir mal auf Freitag! :)

  • Gute Einschätzung des Geschehenen. Nur das Stadion kommt noch viel zu gut weg – normal sollte man so einen Käfig untern Dach boykottieren.

    • Ja das ist wirklich der Gipfel der Frechheit, dass man in dieses Hochsicherheitsparkhaus keine Plastikbecher mitnehmen darf!

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