Ottensen: umzingelte Idylle

Es gibt sie noch, die verwunschenen Ecken in Ottensen. Über Jahrzehnte gewachsene Lebensranken, manchmal in Flieder, oft in Revoluzzerrot, die an eine Zeit erinnern, in der in Altona alternatives Leben einzog. Pragmatisch anti-kapitalistisch, multikulti und irgendwie behäbig batisch.

Gegenüber von Carlottas portugiesischem Cafee führt eine kleine Stichstrasse zum Spielplatz “an der Motte”, auch so ein Rudiment des bunten Altona. Ein wenig, wie die alte Flora, nur friedlicher und damit kulturell aktiver.

An der rechten Seite dieses kurzen Weges liegen zwei Überbleibsel der bewegten Schiffahrtsgeschichte Altonas, ein Schiffsausrüster und das dazugehörige Kapitänshaus. Ich kenne keinen, der Sommers, auf dem Hin- und Rückweg vom Spielen, nicht neidisch in diese Oase gelinst hat. Nun liegt sie im Schatten.

Gegenüber wird gebaut. Lofts, Lifts und Stadtvillen für Preise, die spanischen Immobilienhändlern noch die Schamesröte ins Gesicht pressen würden. Die Idylle ist umzingelt.

Wenn ich das recht mitbekam, dann sind die Bewohner des Kapitänshäuschens geflohen. An ihrer Statt leben dort nun Neu-Ottenser. Die zumindest werden sich an die Enge und den Schatten gewöhnen müssen. Es ist ein anderes Ottensen in das sie ziehen. Eines, das für viele langsam kaputt geht, trotz der sich wehrenden Rankpflanzen, die gerade nach diesem frischen Mai so herrlich blühen.

Ottensen Stadtvilla Baustelle

Ergänze