Ottenser Kinderwagen-Skandal: Genevieve’s eingebaute Vorfahrt

Lilli Su Ottensen Cafe

Junge Eltern sind merkwürdige Geschöpfe. Immer müde und mit einem stoischen Stolz ausgestattet, der ihnen sowas, wie eine heilige Aura verleiht. Meinen sie zumindest. Ich weiß das, weil ich sie selber hatte, diese eingebaute Vorfahrt auf dem Gehweg, das Recht auf saubere Luft und Platz für mein Kind.

Das mit der Luft ist seit dem Rauchverbot besser geworden. Über den Platz mokieren sich jetzt heilige Kühe im Hamburger Abendblatt.

In Ottensen sind diese Eltern – auch im Jahr 2009 sind vormittags meist Mütter anzutreffen – besonders zahlreich und Kaffee-durstig. Das Leben mit den Kleinen hat sich in die Cafés verlagert. Eine ertragreiche Symbiose für Eltern und Cafébetreiber, die manchmal allerdings zu Ärger führt. Die Läden sind nämlich in der Regel klein – und Kinderwagen groß. Ärgerlich wird das Ganze, wenn Abendblatt Redakteurinnen ihre eingebaute Vorfahrt in Hamburgs größte Zeitung tragen und tendenziöse Artikel mit doofem Wortwitz überschreiben: Kinderwagen müssen leider draußen bleiben.

Nicht falsch verstehen, ich meine auch, dass Kinder ihren Freiraum brauchen. Im Zweifel sind Unannehmlichkeiten, durch Kinderlärm bspw. einfach zu ertragen. Nicht nur in Ottensen. Ein wenig differenzierter hinzuschauen, hilft aber ungemein und ist übrigens auch Aufgabe einer Tageszeitung.

Beim Lilli Su verwechselt die Autorin Vera dann auch Konzept mit mangelndem Service. Das Lilli Su bedient grundsätzlich nicht an den Tischen. Das war schon immer so und übrigens unabhängig davon, ob Kinder dabei sind, oder nicht. Das mag einem nicht gefallen: die Alternativen, das Cafe Schmidt und das Knuth sind genau und schräg gegenüber. Als Beleg für Kinderfeindlichkeit taugt das wenig. Würde mich übrigens nicht wundern, wenn die Dame hinter dem Tresen einem den Caffee auch bringt, wenn man sie darum bittet.

Das König & König, wie die meisten Café’s in Altona, ist so eng und schlauchig, dass man den Betreibern die Limitierung auf zwei drei Kinderwagen eigentlich hoch anrechnen muss. Die füllen nämlich schon den halben Laden – und nehmen anderen, zahlenden Gästen den Platz. Übrigens auch anderen Müttern mit Kindern!

Beim “Frieda am Park” bin ich ein wenig vorbelastet – zu sehr gehen Attitude und Haltung der Wirtin mir persönlich auch gegen den Strich. Ich halte die Stimmung dort grundsätzlich auch für unfreundlich und wenig service-orientiert – mit drei Kinderwagen, soviel ist sicher, ist aber auch dieser recht große Laden voll.

“Komisch, auf die Idee, sein Fahrrad mit hinein zu nehmen kommt doch auch keiner”, kommentiert das Beate Nielsen (Name geändert), Mutter aus Ottensen.

Eine Kommentatorin bei abendblatt.de meint wohl auch die Autorinnen, wenn sie schreibt:

Wie es halt so ist: das Sein bestimmt das Bewußtsein und bin ich junge Mutter mit gefülltem Geldbeutel, bin ich der Mittelpunkt der Welt.

Ärgerlich wird es übrigens, wenn Journalisten offensichtlich Fakten durcheinander bringen und Zitate in andere Zusammenhänge bringen: »Die Begründung einiger Betreiber, Kinderwagen würden die Gänge und somit mögliche Fluchtwege bei Feuer versperren, ist übrigens nicht in der Bauordnung verankert. Helma Krstanoski von der Behörde für Stadtplanung und Umwelt: “Für Gaststätten gilt nur, dass der Eingang barrierefrei sein muss. Wenn ein Wirt also Kinderwagen verbietet, ist das zwar komisch, aber seine eigene Angelegenheit.”« – ich wette, die Aussage der Frau Krstanoski bezog sich nicht auf die Fluchtwege.

7 Replies

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  • So richtig Angst und Bange muss es den Initiatorinnen dieses Artikels gehen, wenn sie die Mehrzahl der erzkonservativen Kommentare bei abendblatt.de betrachten. So sehr gegen seine eigene Klientel zu schreiben, nötigt mir da schon wieder Respekt ab :) – auch wenn ich Tendenz weiterhin als Antrieb vermute, kann man schon mal über das Ziel hinaus schießen.

    … nur auf die Kommentare zu reagieren, dass müssen die Damen Redakteurinnen noch lernen.

  • So lange der Latte Macchiato für diese Tusneldas nicht 50 Euro das Glas kostet, werden sie nicht rallen, daß dem Gastwirt bei der Wahl zwischen dem Titel “kinderliebstes Café Hamburgs” und der Vorgabe “Umsatz reinholen, um die horrenden Ladenmieten wieder reinzuholen und ggf. den eigenen Nachwuchs finanzieren zu können” kaum in Enstcheidungsnöte geraten dürfte.
    Warum so viele Eltern ihre Blagen nicht erziehen können oder wollen, sondern das mit einer solchen Chuzpe wie selbstverständlich dem genervten Umfeld überlassen, erklärt sich mir auch nicht. Aber den Vogel schießt echt der Fahrradfahrer in den Kommentaren ab, der seinen Drahtesel mit ins Café nehmen will und sich empört, daß das nicht geht. Un.Fass.Bar.

  • Ich finde diese permanent in Cafés rumlungernden besserverdienenden grünen Profimütter sowas von selbstgefällig und rücksichtslos, wenn sie, weil sie offenbar in ihrem Leben nix Anderes mehr zu tun haben, ganze Vor- und Nachmittage die Cafés der Städte okkupieren und totalblockieren. Was geht in den Köpfen dieser Kinderbesitzer vor? Geht da was vor? – Rhetorische Frage. Natürlich geht da nichts mehr vor. Da herrschen nur noch Hormone. Und dass da dann nicht auf Mitmenschen (“was war das noch gleich???”) geachtet wird, sieht man schon, wenn man diesen Profierledigerinnen mal ins Gesicht schaut: da ist nur noch Gluckenpanik zu erkennen: peripherer Blick (“wo sind die Blagen, wo kann ich Futter besorgen?”).
    Und dann verplempern sie ihre Zeit mit den in Cafés eigentlich total gelangweilten kleinen Terroristen, die eigentlich lieber auf den Spielplatz wollen. Aber nein: Profimutti muss mit Freundinnen quatschen, quatschen, quatschen über banalen Alltagsscheiß. Wie früher im Studium in der Cafete. Nur: Profimütter, Ihr seid nicht mehr im Studium! Ihr habt Euch, verdammt noch mal, um Eure Blagen zu kümmern, die Ihr ja unbedingt (gab ja keine andere Möglichkeit) in die Welt werfen musstet, gell?! Habt Ihr den Schuss nicht gehört?
    Diese wichtigtuerischen und selbstherrlichen Kinderbesitzer sind eine Pest für die innenstädtischen Cafés! Es ist nur gut und folgerichtig, dass immer mehr Cafébesitzer für Kinderwagen und Inhalt “Wir müssen draußen bleiben!” an die Tür pinnen! Meinen Segen haben sie dafür! Ich wünschte mir flächendeckend solche Schilder an Cafétüren. Sollen die Profimütter in den Kitas, auf Spielplätzen und bei sich zuhause, wo sie sich auch neben der Hightechexpressomaschine treffen können, aufhalten!
    Ja, diese Pest der selbstgefälligen Profimütter ist das Resultat einer hysterischen Gebärprämienpolitik unserer Obergebärmaschine von der Leyen. Jetzt haben sie die Vollversorgung ihres Lebens erreicht, und wissen nicht mehr, wie sie die Zeit totschlagen sollen. Also furzen sie öffentliche Plätze, Cafés, voll und zerstören jede Atmosphäre. Ich nenne sowas ASOZIAL!

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