Paid Content Debatte – Werbefreiheit und Lesekomfort als Premiumdienst?

Jedes Mal, wenn ich auf einen Artikel bei der Website der Financial Times Deutschland verwiesen werde, wie eben von @zeitonline, dann denke ich folgendes: “Wenn ich regelmäßiger Leser dieser Postille wäre, würde ich glatt fünf Euro im Monat zahlen, um alle Artikel gleich werbefrei und in einer leserfreundlichen Version zu sehen” – Nun muss ich noch den Klick auf die Druckansicht abwarten, bis ich den Artikel lesen kann.

(Die ftd ist ein willkürliches Beispiel, der Gedanke kommt mir immer öfter, außer bei zeit.de übrigens, die sind so lesefreundlich, dass ich mir schon Gedanken über die Wirksamkeit der Ads mache – komisch nicht?)

4 Replies

  • zeitonline… Ja, es war tatsächlich zeitonline: Als dort die ersten Layer-Ads auftauchten, war meine Verärgerung dermaßen groß, dass ich mich mit den verschiedenen Arten von Content-Filtern auseinanderzusetzen gezwungen wurde. Seitdem muss ich mich von Zeit zu Zeit (wie passend ;-) ) mit dem finetuning beschäftigen, habe aber weitestgehend Ruhe.

    Wenn ich nun auf ftd von „eigenen Lesegeräten“ lese, kann ich jetzt schon sagen: Wird ein Rohrkrepierer. Wer will in Zeiten des iPhones 5 Geräte mit sich rumschleppen? Kindl-Dingens für Bücher, Verlags-Dingens für die Zeitung, MBP und iPhone auch noch dabei – Blödsinn.

    Und dass online print ablösen wird, ist keine Frage des ‘ob’, sondern des ‘wann’. Eine Tageszeitung, zwei, drei Fachzeitschriften privat, das ist schon sehr oldschool, der Rest wird eh online gelesen, per RSS und mitsamt den Blogs thematisch gefiltert.

    Zahlen für werbefreien Qualitäts-Content? Wäre einen Test wert, wenn die Preise massentauglich moderat bleiben, sonst wird auch das nix auf dem schnellen Massenmarkt der Informationen. Wie das gehen könnte, zeigt auf dem Büchermarkt schon paperc.de. So billig pro Seite, dass es eigentlich kaum auffällt, aber genug, dass über die Masse Einkommen generiert wird.

    Letztlich ist der journalistische Beruf nicht weniger der Konkurrenz und dem Wettbewerb ausgesetzt wie jeder andere auch, sinkende Einnahmen auf Seiten der Verlage ein völlig normales Phänomen. Die taz hat es geschafft, bei allen Schwierigkeiten, sich von Werbung unabhängig zu halten. Es gibt also eine Leserschaft, die für ‘ihren’ Content zu zahlen bereit ist. Das sollte den etablierten Verlagen dann schon zu denken geben.

    (‘tschuldige für den arg langen Kommentar. ;-) )

    • gar nicht, vielen Dank.

      “Kindl-Dingens für Bücher, Verlags-Dingens für die Zeitung, MBP und iPhone auch noch dabei – Blödsinn.” – ja, wenn es einen eigenen gibt. Ansonsten taugen Handies soe wenig zum Lesen, wie Schweizer Messer zum Holzhacken.

      Wenn es also einen Reader gibt, der leicht ist, lange hält und meine Tageszeitung sowie meine Bücher barrierefrei und gut lesbar anbietet, dann kann das schon Sinn machen. Die Bezahlung über die Handyrechnung halte ich ja für sicher und bequem.

    • Gut, dann müsste es aber ein tablet-artiger Reader sein, der (leicht, handlich, robust und leicht bedienbar vorausgesetzt) jeglichen Content aufnehmen (und aus Platz- und Gewichtsgründen als Archiv auf einem – ggf. eigenen – Web-Server verfügbar halten) kann. Er müsste zudem günstig sein (in der Tat verschlingen mobile online-Dienste schon viel zu viel), während – und das ist mit wichtig – v.a. auch der Content megamäßig günstig ist. Meinetwegen Bezahlung per Artikel (nicht per Zeile, angesichts, ähm, ausladender Spiegel-Artikel), aber günstig. Abos lohnen sich m.E. nur bedingt, vielleicht als zus. Feature, aber m.E. geht’s zukünftig immer stärker hin zu thematisch gefilterten Inhalten verschiedenster Medien, das macht ja gerade den großen Vorteil der Vernetzung aus. Teure Zeitungs-Abos würden diesbezüglich stark hemmend wirken, während Content im Komma-Cent-Bereich das breite Lesen erst attraktiv machen und gleichzeitig Qualität halten und fördern hilft.

      Andererseits sehe ich mit so einem Modell ein großes Datenschutz-Problem auf uns zukommen. Anonymes Surfen, Cookie-Sperren, etc? Kannste dann nahezu knicken. Also, so ganz ausgereift ist das auch noch nicht. ;-)

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