Pro Westerwelle

Ich entdecke an mir eine merkwürdige Eigenschaft. Immer wieder: je stärker die Mehrheit sich meiner Meinung oder Ansicht anzuschliessen scheint, desto stärker wird der Drang von ihr abzurücken.

Was man durchaus mit einem latenten Beschützerinstinkt, als auch mit einem übersteigerten Hang zum Avantgardismus erklären kann. Wollte ich gemein sein gegenüber mir selbst, würde ich das als eigensinnige Labilität auslegen, das immer zur kritischen Minderheit Gehören-wollen.

Heute hat ausgerechnet ein Text in der Mopo diesen Effekt ausgelöst. Jürgen Todenhofer schreibt dort über seine Eindrùcke aus Libyen und über Guido Westerwelle:

“Man muss keine Bomben werfen, um Fruende zu haben. Der Kurzbesuch Westerwelles hat hier viel bewirkt. Ich sage dies als ausgewiesener Kritikwr des Außenministers. … Westerwelle war im richtigen Augenblick in Libyen, hat die richtigen Worte gefunden.”

Der Text hat mich weniger erstaunt, als meine emotionale Reaktion darauf. Ich hatte die Demontage Westerwelles zuerst mit einiger Genugtuung verfolgt, schien er sie ja selbst zu zelebrieren. Immer mehr aber, als unterstützende Stimmen ausblieben (Brüderle zähle ich mal nicht hinzu), erhob sich dieser oben beschriebene Reflex. Ich halte allzu grosse Einhelligkeit für ein Alarmsignal.

Im Falle Westerwelles erspüre ich eine gefãhrliche Mischung aus politischer Taktiererei, aggressiver weil zum eigenen Arschretten praktiziert, und einem kollektiven, vielleicht unterbewussten Aufatmen, dass dieser klemmige und technokratische Westerwelle die Bühne verlässt.

Ich mag den Politiker Westerwelle immer noch nicht, aber er ist vom Establishment zum Aussenseiter gebrandmarkt. Und solche mag ich grundsätzlich. Geht mir bei Michael Oenning auch so ;)

Ergänze