Sanfter Tugendterror

Das Quartier heißt nach einem französischen Marschall, weil es aus früheren französischen Kasernen besteht; diese wurden nach Abzug der Soldaten in eine Art Mustersiedlung für ökologische Stadtbürger umgebaut. In Vauban haben am Sonntag bei der Landtagswahl die Grünen 72,2 Prozent der Stimmen erlangt. Die CDU schaffte dort 3,6 Prozent. Das sind alles sehr nette, behütete und freundliche Menschen in Jack-Wolfskin-Jacken; wer aber einmal durch das Vauban-Viertel gegangen ist, der weiß auch, wie sanfter Tugendterror in unserer Zeit aussieht.

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Eine Antwort

  • Das Vauban ist eigentlich interessanter als es in der überregionalen Presse so dargestellt wurde – denn es haben dort auch 7,2% Linke gewählt (alle anderen Stadtteile, bei denen die Linke über 7% erhalten hat, sind, im Gegensatz zum Vauban sogenannte „soziale Brennpunkte“ mit einem hohen Anteil von Hartz IV Empfängern). Tatsächlich tobt auf dem Vauban ein Art Kampf zwischen esoterischen Ökospießern und Linken – was an der Geschichte des Stadtteils liegt. Das Angebot, billigen Wohnraum mit demokratischer Eigenbeteiligung verwirklichen zu können, zog sowohl grüne Kleinbürger mit Blagen an wie auch Linke, die aus der Tradition der Hausbesetzerbewegung kamen, und die glaubten, dort emazipatorische Hausprojekte verwirklichen zu können. Die Grünen auf dem Vauban sind widerlich, weil sie vor allem Kleinbürger sind, mit all der Borniertheit, die Kleinbürger so auszeichnen. Aber die wirklich widerwärtigen Grünen sitzen in einem ganz anderen Viertel, nämlich der Wiehre (55% bei der Landtagswahl). Das ist ein altes Bonzenviertel, und dort sitzt die arrivierte grüne Machtelite in ihren renovierten Gründerzeitvillen. Wohnen wollte ich weder hier noch dort.

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