Schluss mit dem Playmate-Fußball

Klamme Kälte kriecht unter die Laibchen, es wird zweimal täglich trainiert in dieser Woche. Schön sein war gestern, das gilt auch für das Spiel des FC St. Pauli. In hübsche Menschen ist man eben auch nur verknallt, einen euphorischen Sommer lang. Im werktäglichen St. Pauli, im schmuddeligen November, stehen heute gerade mal zwei Menschen vor mir an, um Karten für das Spiel gegen Kaiserslautern zu ergattern. Playmates und Posterboys in Brown hängt man sich eben lieber in den Spind oder an die Wand, und nicht ins Herz. Bei Nieselregen kann sich nur verlieben, wer auch das eklige an St. Pauli mag. “Den Ball abfressen” möchte Matthias Lehmann in einer herrlich übermotivierten Variante des Grasfresser-Schwurs, der absolute Hingabe verspricht. Weh soll es tun, auch den Gegnern.

Existenziell wird es ja nur empfunden, was wir dort erleben werden am Sonnabend gegen die Werkselfen aus Leverkusen, aber wie: Mit Sidney Sam und Barnetta sind ja enorm sympathische Spielverderber dabei, die man durchaus sexy finden darf. Die Wucht, sich gegen den spieltäglichen Verfall zu stemmen und dabei trotzdem eine fröhliche Würde zu bewahren, die möchte sich erwirken am kommenden Sonnabend am Millerntor. Meine Aufstellung hierfür:

Tor: Kessler (Alternativlos)
Abwehr: Volz (Kraft und Kultur, schöne Symbiose), Zambrano (alternativlos, muss als einziger Emotionen runterfahren), Thorandt (die Wand), Oczipka (dieses erhitze Gleiten über die linke Seite ist einmalig)
Mittelfeld: Daube (das war sehr kraftvoll, auch nach hinten), Lehmann, Boll, Schulle (es muss weh tun!)
Sturm: Ebbers, Asamoah

foto: kerstin karth playmate of the year 2006, florian lohmann für playboy 2006

Ergänze