Schorsch und Frau Pilotin

12069763_5ceaf8877f_m.jpgIch hatte mich darauf gefreut. Dass es so lange gedauert hat, bestätigt meine damalige Annahme, der Pilotenberuf sei eine der letzten chauvinistischen Nischen in unserer Gesellschaft.

Heute morgen bin ich bei der dba von einer Frau Pilotin geflogen worden. Meiner Wahrnehmung nach das erste Mal. Ihr Kollege, der immer sagt wie hoch, wie weit und woran vorbei man fliegt, hiess Schorsch.
Sehr sympathisch.

Übrigens, wer einmal eine Parallelgesellschaft in Aktion erleben möchte, der muss nur fliegen. Welche Airline ist eigentlich egal. Bei der Verbringung von 70 Lebensminuten auf engstem Raum berühren sich die Gruppe der Passagiere und die der Flugbegleiter nämlich nur ein einziges Mal. Beim Essen Snack austeilen.


Quasi ein ideales Feldversuchslabor für Soziologen zu diesem Thema.

Das beginnt schon vor dem Start, wenn die Passagiere völlig verschlafen in der Zeitung blättern, während zwei Vortänzerinnnen im Mittelgang das “Unsere Sicherheitseinrichtungen an Bord”-Schauspiel aufführen. Habe heute einen Mann zusehen gesehen. Einen!

Überhaupt kommunizieren die Menschen, deren Arbeitsplatz dort mitfliegt, immer gerne über die Köpfe der Passagiere (intern PAXE genannt) hinweg. Arme und Ellenbogen, die ein wenig in den Gang hineinragen sind für sie genauso ärgerlich, wie eine Bürotischkante für den normalen Angestellten und werden dann auch so empfunden. Bei Tischkanten hat sich meines Wissens noch keiner entschuldigt, ohne von den Kollegen schief angesehen zu werden.

Letzte Woche, auf dem Heimflug, saß neben mir eine Flugbegleiterin als Passagierin. Sie kam mir bekannt vor, trug jedoch eine Uniform von HLX, einer Airline, mit der ich noch nie geflogen bin. Normalerweise hätte ich gefragt, ob sie wohl früher auf einer anderen Strecke für eine andere Airline geflogen wäre. Vielleicht ein wenig geflirtet. So wusste ich, wir waren -wenn überhaupt- parallel unterwegs gewesen.