Soziale Rassenlehre – Dohnanyi surft auf Sarrazins Thesen

Sarrazins Behauptung, dass es besondere, kulturelle Eigenschaften von Volksgruppen gibt, kann heute niemand mehr mit Sachkenntnis bestreiten. Die amerikanische Enzyklopädie der Sozialwissenschaften nennt das social race: „soziale Rasse“. Sarrazin sieht nun bei Teilen islamischer Gruppen eine Ablehnung der Integration und darin Gefahren für unsere Bildungs- und Leistungsgesellschaft. Integration sei auch eine „Bringschuld“. Falsch?

Nun also nähern wir uns dem Kern der Debatte. Ist Sarrazin ein Rassist? Sind seine Thesen rassistisch?
Ja, sicher sind sie das.

Wenn ich Herrn von Dohnanyi in der Sueddeutschen richtig verstehe, dann gibt es seiner Ansicht – und die scheint er mit Sarrazin zu teilen- so etwas, wie eine soziale Rasse, denen Muslime angehören, die sich in „islamischen Gruppen“ organisieren oder (qua was?) angehören. Die „soziale Rasse“ der Integrationsunwilligen vielleicht. Gehören dieser aber überwiegend Muslime an? Wirklich, ich versuche das zu verstehen, ohne gleich in Polemik und zynischen Kummer zu verfallen. Ich verstehe Sie nicht Herr von Dohnanyi!

Gibt es auch eine soziale Rasse der Kriegsdienstverweigerer? Oder der Steuerflüchtlinge? Mir fehlt da anscheinend jede „Sachkenntnis“ und leider auch jedes Verständnis.

Ich lese zu diesem Thema:

„Attributing race to an individual or a population amounts to applying a social and cultural label that lacks scientific consensus and supporting data.“
– Race: Social Concept, Biological Idea

„Dass dennoch die Frage der muslimischen Religionszugehörigkeit fast schon zur öffentlichen Obsession geworden ist, verdankt sich zu einem Teil jenem Identitätsgeschwätz, das viele Leute als Multikulturalismus missverstehen. Angeblich fußt Multikulturalismus auf kulturellen Identitäten, doch das ist Unfug. Multikulturalismus ist das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft unter gleichberechtigten Bedingungen. Identität ist eine Schablone, die man Menschen aufdrückt, mit denen man sich nicht von Mensch zu Mensch unterhalten will.“
Hilal Sezgin in zeit.de „Deutschland schafft mich ab“

„Sind Sie zufällig der Meinung, dass …
… es in Deutschland keinen Rassismus gibt? Und falls doch, dass Sie das nichts angeht? Dass das sowieso nur „die anderen“ betrifft? Herzlichen Glückwunsch! Sie haben soeben eine rosafarbene Zipfelmütze gewonnen!“
– Noah Sow, Deutschland Schwarzweiss

– „Muslimifizierung“ – Metalust über Zeit.de
– „Sarrazin bedient krude Rassenlehre“, Florian Rötzer
– „Wissenschaftlicher Rassismus und Reputabilität“, Der Freitag Community

… und zu guter Letzt:

Islandpferde sind eine „soziale“ Rasse und leben am liebsten in größeren Herden. Sie sind leicht zu handhaben und genügsam. Sie verfügen über einen guten Gehwillen, Ruhe und Nervenstärke.
– Von den Lausbuben

9 Antworten

  • aber bloß weil ein buch von einer sozialen rasse spricht, spricht nicht gleich Sarazzin von einer sozialen Rasse- sondern von kulturellen eigenschaften von Volksgruppen. Wo steht da was von Rasse?
    Wo ist die Quelle, in der Sarazzin von Rassen spricht?
    Dieser Artikel entzieht sich selbst die Sachlichkeit indem sie krampfhaft versuchen, den Leser in eine Richtung zu lenken: eine, die ihnen passt, objektiv jedoch nicht zutrifft.

    herzlichst,
    hans

    • Lieber Hans – vollkommen richtig, ich bin nicht objektiv. Von „sozialer Rasse“ spricht Herr v. Dohnanyi, der widerum Herrn Sarrain erklärt, in der SZ. So pflanzt es sich munter durch die Gazetten, einerlei, wie man das nennt, Volksgruppen oder soziale Rassen, diskriminierend, weil bewußt ungenau sind sie alle.

  • In der Wolle gefärbter Rassismus
    Daß ein großer Teil der Sarrazin-Fans darüber empört ist, ihn in „die rechte Ecke“ stellen und dem Rassismus-Vorwurf aussetzen zu wollen, stimmt immerhin nun insofern wieder hoffnungsvoll, als es doch noch Tabus zu geben scheint, die man als Deutscher angesichts der historischen Erfahrungen nun dann doch nicht brechen mag. Fragt sich nur, wann auch diese moralische rote Linie von der laut schweigenden Mehrheit überschritten wird.

    Sarrazin behauptet nun a posteriori, sein Verweis auf genetische Unterschiede zwischen den Ethnien, etwa zwischen Juden und Basken, sei mit keiner Wertung verbunden, woraus sich die Frage aufdrängt, wozu er dann überhaupt darauf hingewiesen hat.

    Was nun ist Rassismus?

    Claude Lévi-Strauss zufolge, dem wohl berühmtesten Anthropologen des 20. Jahrhunderts, handelt es sich beim Rassismus um „eine Lehre, die behauptet, in den geistigen und moralischen Eigenschaften, die einer wie immer definierten Gruppe von Individuen zugeschrieben werden, die unausweichliche Wirkung eines gemeinsamen genetischen Erbes zu erkennen.“ (Rede vor der UNESCO 1971, in: Claude Lévi-Strauss, Race et culture, Édition de l‘UNESCO, 1971) Demnach ist auch die Ableitung positiver, vermeintlich genetisch bedingter Gruppeneigenschaften bereits ein Ausdruck rassistischer Anschauungen. Zurecht: Die Zuerkennung positiver kognitiver oder moralischer Charaktermerkmale impliziert im Unkehrschluß, anderen genetisch definierten Gruppen von Individuen jene positiven Eigenschaften a priori abzusprechen.

    Da beißt also die Maus keinen Faden ab: Sarrazins Thesenkonstrukt ist in der Wolle gefärbter Rassismus. Was denn sonst? Die ihm jetzt wie einem Propheten an den Lippen hängen, sollten wenigsten den Mut aufbringen, die Katze eine Katze zu nennen und nicht wie selbige um den heißen Brei zu reden…

  • Ich verstehe an der ganzen Diskussion den Teil nicht, wo man Herrn S. aus B. ein Ettikett aufkleben will. Das ist völlig egal. Wenn man es nachweist, dass er Rassist wäre, dann würde er nicht aufhören es zu sein. Nicht mögen kann man ihn und seine Thesen auch ohne Aufkleber. Wozu also die Definitionsnot?

    Wichtiger erscheint mir klar zu stellen, und damit erreicht man dann vermutlich auch die Mal-sagen-dürfen-Fraktion, die nicht weiss. was sie denken soll, dass er Unfug redet. Von Genetik nichts versteht und sich seine Zahlen selber bastelt. Durchgefallen. Jetzt darf gern der nächste Mensch die nächste Thesen aufstellen, die man dann diskutieren kann. Aber ob S. nun Hund, Katze oder Maus ist? Mir ist das egal.

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