Spendenkultur

Es gibt das Märchen vom Ebay-Gründer, Pierre Omidyar, der über das Internet die überzähligen PEZ-Spender seiner Verlobten versteigern wollte, dies so geschickt anstellte, dass andere auf seiner Website auch versteigern wollten, nach und nach auch andere Sachen. Er wurde dann gefragt, meist nach erfolgreicher Versteigerung, ob er etwas dafür haben wolle. „Schickt mir doch einen Dollar per Post, wenn euch die Anwendung gefällt.“, soll seine Antwort gewesen sein.

Bereits ein paar Monate später brauchte er eine Aushilfe zur Bearbeitung der vielen Dollarbriefchen, die bei ihm zuhause eintrudelten.
So das moderne Märchen und ein Beispiel für eine tief verwurzelte private Spendenkultur (donation) in den USA, von der wir uns hier eine Menge abschauen können.


Unter solchen kulturellen Gegebenheiten, nämlich FREIWILLIG und UNAUFGEFORDERT für etwas zu zahlen, was man toll findet, gut gebrauchen kann und öfter nutzt, lassen sich per Paypal kleinere Websiteprojekte durchaus finanzieren.

In Deutschland gibt es das bisher nicht. Oder zu selten. Spenden ist bei uns immer noch mit einer Art Makel behaftet. Wer Spenden empfängt, der hats nötig, ist unverschuldet verarmt oder anderweitig nicht smart genug, aus seinem Tun das dicke Geld herauszuziehen.

Natürlich Quatsch, aber ich gebe gerne zu, dass auch ich dieses spießige Muster aktiv in mir bekämpfen muss.

Fangen wir doch bei einem Fall an, bei dem wir beides verbinden können.
Dirk Olbertz führt nicht nur mit emsigem Fleiß, zeitweise auch verbissenem Understatement, die herrlichen Projekte blogger.de und blogscout.de – er benötigt nun auch Unterstützung bei der Begleichung einer Gerichtsrechnung.

Ein guter Tag, um das eigene, kulturell eingebrannte Vorurteil den proaktiven Donationen gegenüber ein wenig anzunagen. Verbuchen wir das doch unter digitalem Mäzenentum, dann tricksen wir uns selbst ein wenig aus und treffen den Kern dessen, wofür wir Menschen unterstützen sollten, die Projekte stemmen, die wir gerne und oft nutzen. Punkt.

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