Sport ist Tod, es lebe das Spiel

Sport

Heute Nachmittag traf ich bei Momo auf Thorsten und Saniti. Sofort entspann sich eine rege Diskussion, um Brasiliens Unvermögen, über den eigenen hochmütigen Schatten zu springen, die neue Freude an Zidanes neuer Freude und den tranigen, aber erfolgreichen Portugiesen.
An C. Ronaldo schieden sich dann die Geister. Über die Freude am Spiel, die wirklich interessanten Sätze und Thesen, die MoMo bei alten und neuen Philosophen immer so findet und in aktuellen Zusammenhang bringt, kamen wir zur Tour de France.

Dieses Thema begleitete mich bis nach Hause. Ich frage mich, ob es an meiner persönlichen Präferenz zu „Mannschafts-Ballspielen“, wie Baseball und Fußball, liegt oder ob es zwischen solchen Dingen wie Fahrradrennen, 100-Meter Sprint und eben Ballspielen wesenhafte Unterschiede gibt. Kommt es nur mir so vor, dass diese klassischen Sportarten in der Postmoderne den Stillstandstod sterben, Spiele hingegen aber aufblühen?


Spätestens seit Mitte der 80er-Jahre tragen 100-Meter-Sprinter noch mit dreißig Jahren eine gepflegte Vollakne. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die 100stel, die den Unterschied an der Weltspitze ausmachen nicht dem menschlichen Körper, sondern der immer besser werdenden Pharmaindustrie geschuldet sind. Nun ist Leichtathletik, auch in Staffeln, letztlich ein Einzelsport. Mensch gegen Zeit. Da fiel es als Erstes auf. Das Wesen Sportler ist an seine Grenzen gestoßen. Und damit stirbt er dann, steht still, denn Sport lebt eben auch von Entwicklung, Spannung und herausschieben eben dieser Grenzmarken.

Nun hat es den Anschein, dass auch taktisch hoch entwickelte Sportarten betroffen sind. Sicher, der Reiz der Tour de France liegt zum einen in den unmenschlichen Strapazen der Topfahrer, zum anderen aber auch an den taktischen Meisterleistungen der Teams, eine irre Abstimmungsleistung. Nun stirbt dieser Sport wohl, weil die Unterschiede in der taktischen und körperlichen Qualität nivelliert sind. Alle sind quasi gleich gut. Den Unterschied macht, wie 20 Jahre zuvor bei den Sprintern nur noch der gelungen vertuschte Einsatz von Pharma. Tod, Stillstand, ein kilometerlanger Leichenzug.

Wir besprachen heute Nachmittag das Prinzip des Scheiterns als Garant für andauernde, Zeitalter überdauernde Spannung im Fußball. Nur durch den Unterschied von 100 gescheiterten Torschüssen vielleicht acht mehr in den kleinen Kasten zu bugsieren unterscheidet sich Ghanas Sturm von dem der Portugiesen, diesmal. Aber das ist nicht alles. Eigenart, Leidenschaft und tausende Faktoren ergeben zusammen ein komplexes Gebilde von möglichen Abläufen. Unplanbar, eben ein Spiel.

Das aber ist in unserem Zeitalter der Unterschied zwischen Tod und Leben. Es lebe das Spiel.

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