Stadt-Blogs in Hamburg – the return of the local hype?

In Hamburg grassiert die Lokalitis – und die macht das Thema “Städteblogs” wieder en vogue. Gefühlt schlagartig eröffnen hamburg.de und das Hamburger Abendblatt (beide Axel Springer) das Rennen um die Blogvorherrschaft in der Metropolregion. Beide mit leicht unterschiedlichen Ansätzen:

Mein Quartier
Mein Quartier - Hamburger Abendblatt v. 18.11.2010
Das Hamburger Abendblatt sucht unter dem Motto “Mein Quartier” nach Stadtteil-Reportern, die via Twitter und Blogs aus ihrem Viertel berichten.

Bei dem Projekt “Mein Quartier” geht es nicht darum, mit der klassischen journalistischen Herangehensweise Geschichten aufzuarbeiten – im Gegenteil: Der journalistische Ablauf der Geschichten soll bewusst durchbrochen werden. Das Ziel ist es, dass die Stadtteilreporter im Blogstil ihre Geschichten direkt und zeitnah – quasi live – erzählen und online stellen. Auf den speziellen Stadtteilseiten sollen die Nutzer lesen können, was die Stadtteilreporter gerade erleben. Eine Geschichte kann sich über wenige Stunden oder den ganzen Tag über entwickeln. Der Stadtteilreporter stellt seine neuesten Rechercheergebnisse ständig online. (…)

Als Lohn winkt eine Veröffentlichung im Hamburger Abendblatt. Über eine Vergütung über den “Fame”-Ansatz hinaus ist mir nichts bekannt.

hamburg.de setzt auf das Tool Blogging selbst und hat eine Multiblog-Instanz von WordPress so aufbohren lassen, dass Hamburger Nutzer nun bequem sich eigene Blog-Adressen unter der Domain blog.hamburg.de/Blogname sichern können. Ich habe das unter blog.hamburg.de/fcstpauli mal ausprobiert, es scheint sauber zu laufen, WordPress-Nutzer haben hier natürlich ein Heimspiel.

Die Blogs laufen unter der Domain http://blog.hamburg.de/blogname, das Hosting ist mit (zugegebenermaßen etwas knausrigen) zehn Megabyte Speicherplatz ebenfalls gratis inklusive. Nutzern stehen rund 220 Themes zur Auswahl, laut den FAQs könnten die Blog-Betreiber bald aber in der Lage sein, eigene Templates hinzuzufügen. (…)

Außerdem erreichte mich gestern eine E-Mail von Hamburg-Marketing, auch dort denkt man über das Thema wohl nach. Einzelheiten sind mir noch nicht bekannt.

Aber wozu das alles? Gibt es überhaupt signifikant viele Stadtteil-Interessierte, die über ihre Nachbarschaft bloggen wollen? Warum kommt das Thema gerade jetzt wieder auf die Agenda, nachdem die Voraussetzungen vor 5 Jahren eigentlich besser waren (wir waren am Anfang des Bloghypes und nicht über sein Ende hinaus)

Ich befürchte ja, dass bei dem Ansatz, Blogs als Tool anzubieten, der Lokalcolorit keine ausreichende Alleinstellung darstellt. Es sei denn, es finden sich Menschen, die neben bspw. ihrer hamburg.de-Emailadresse auch noch ein Blog betreiben wollen, bspw. für ihren Verein oder ihre Kneipe. Warum sie das heutzutage aber bei hamburg.de machen sollten und nicht “nur” bei Facebook, Qype und Co. ist aber eine spannende und kritische Frage für den Erfolg des Projektes.

Die “15-Minutes-Of-Fame”-Lösung vom Hamburger Abendblatt halte ich zwar für eine feine Idee, aber bezweifle, dass dieser Anreiz langfristig ausreicht.

Hinweis: Der Autor arbeitet für ein Unternehmen, das mit dem Hamburger Abendblatt kooperiert und hat in der Vergangenheit bspw. BerlinOnline in Sachen Blogeinsatz beraten, wo er mit Nico Lummas Blogg.de seinerzeit einen Blogdienst initiierte, der u.a. Sven Regener als Autoren gewinnen konnte.

5 Replies

  • Auf hamburg.de dürften noch viele sauer wegen der E-Mail-Sache sein: erst kostenlos allein Hamburgern so eine anbieten – und dann irgendwann für ein erbärmliches Leistungsangebot einen recht hohen Preis verlangen. Ich würd’ mein Blog da nicht führen wollen.

    Tja, das mit dem Lokalding ist so eine Sache. Eigentlich ganz gut gemeint – und vielleicht bringen die großen Player ja ein paar Leute zum Bloggen. Die zwei Anläufe zu einem Projekt mit “echten Bloggern” sind ja bekanntlich in Hamburg gescheiter. Schade, eigentlich (aber fasse mich da auch an die Nase).

    • Ich würde auch keinem raten, sich mit Alt-Bloggern zu befassen – zu störrisch die Leute ;( – Beim Thema “E-Mail-Adresse” einer “Stadt” bin ich übrigens anderer Meinung. Man kann als Stadt ruhig Geld dafür nehmen, dass sich Bürger oder KMUs eine E-Mailadresse leisten wollen, die nicht auf gmx.net, web.de oder womöglich hotmail (sic!) endet. Das darf man auch ökonomisch sich honorieren lassen.

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