StadtRad Hamburg – der Sommer der Bewährung

Das Stadtrad Hamburg ist eine Erfolgsgeschichte. Ich sehe immer mehr Hamburger mit den roten Rädern der Deutschen Bahn durch die Hansestadt radeln.

Das System ist ausgeklügelt, der Service schnell und freundlich. Dennoch steht dem System aus verteilten Fahrrad-Stationen im Innenstadt-Bereich von Hamburg die Bewährungsprobe erst noch bevor – und sobald es sommerlicher wird draußen, zeigen sich auch Probleme.

Morgens 8:30 Uhr an der westlichsten Station des StadtRad-Netzes in Ottensen: alle Fahrräder sind ausgeliehen, außer dem einen, das einen Platten hat. Ich treffe einen der Mitarbeiter, die ständig diese Stationen anfahren und mit neuen Fahrrädern auffüllen. „Wir kommen da nicht hinterher“, sagt er unmwunden und ehrlich. „Am Altonaer Bahnhof kann ich andauernd Stadträder anliefern, die sind sofort weg“. Am besten man merkt sich eine Alternativ-Station, die ein wenig dezentraler liegt. Meine ist zu Fuß etwa fünf Minuten entfernt, am S-Bahnhof Königstraße.

Bekommt man dann endlich ein Rad zufassen, und radelt, bspw. zur Arbeit ins Büro, offenbart sich, wo die Stadträder alle abgeblieben sind. An den Stationen rund um die Alster, am Gänsemarkt und am Alsteranleger ist es proppevoll, keine freie Station mehr übrig. Da hilft nur rumgurken zur nächsten, einer weniger öffentlichen, wie der Stadtrad-Station hinter dem Rathaus. Da sind immer noch Anschlüsse frei. Meistens.

Auf dem Rückweg vom Büro fahre ich spontan noch in die Schanze. Am Schulterblatt will ich das Fahrrad abgeben. Alles voll. Ein anderer Stadtradler kommt mir entgegen und resigniert: „Am Schulterblatt kannst das vergessen und in Richtung S-Bahn Sternschaze ist auch alles voll“ – was nun? Stelle ich das Fahrrad einfach ab, kostet mich das Feierabend-Bier ein kleines Vermögen. Ich will zwar später noch weiter, nach Hause, nach Altona, aber erst in 2-3 Stunden.

Die freundliche Dame am Service-Telefon kennt das Problem. Nachdem sie mir eine Station vorschlägt, die mich weiter zu meinem Start zurückführt, als zu meinem Ziel, schlägt sie mir praktischerweise vor, die nächsten drei Stunden auszubuchen. Das Fahrrad kostet mich bis zum Ende des Tages nur „eine halbe Stunde“ – feine Lösung für ein logistisch wohl nicht zu lösendes Problem. Bleibt der Service so hemdsärmelig und seine Lösungen so pragmatisch, kann das mit dem Stadtrad zu einer echten urbanen Sommermärchen werden.

Die Stadtrad-Stationen bilden derzeit einen Ring um die Innenstadt von HH, der in etwa dem Ring1 entspricht :)

8 Antworten

  • Mein Vorschlag: Maut für PKWs in der Innenstadt und das Geld 1:1 in mehr Fahrräder und -stationen investieren – oder was auch immer Geld direkt vom Autofahren in das Radfahren umleitet.

    • Das kann ich persönlich unterschreiben. Wer mal versucht hat, seinen Wagen werktags oder bei Veranstaltungen in der Innenstadt zu parken, unterstützt das sogar freiwillig. :)

      … von Wohnvierteln, wie der Schanze oder Altona und St. Pauli ganz zu schweigen.

  • Ich hab selbst erst vor ein paar Wochen angefangen, StadtRad zu nutzen – und habe das Glück, dass mein Büro in Eppendorf liegt, wo es fast immer Räder für die Mittagspause oder einen Termin in der City gibt.

    Ich bin auch überrascht, wie gut und problemlos es zu funktionieren scheint. Und die iPhone-App ist großartig!

  • Ärgerlich nur, das es die Räder nur in den sogenannten In-Stadteilen gibt. Hätte soetwas auch gerne in Barmbek, Dulsberg, Horn etc.

    Typisch Hamburg.

    • @Kirberg – da tust Du dem Senat und der Deutschen Bahn aber Unrecht. Der Ring um die Innenstadt ist hübsch gleichmäßig verteilt.

      Siehe: Lageplan der Stadtrad-Stationen

      Ich nehme auch an, wünschenswert wäre es auf jeden Fall, dass der Ring von Stationen nach Außen erweitert wird

  • Ich finde die Idee an sich wirklich klasse. Da man mit dem Fahrrad in Hamburg viel besser durchkommt als mit dem Auto, sehe ich da schon einiges Potential dahinter. Die Erweiterung für andere Stadtteile kommt mit Sicherheit dann auch noch. Strateguisch sinnvoll ist es durchaus, in den In-Stadtteilen anzufangen- eine gute Idee trägt sich dann auch weiter.

  • > „Ich sehe immer mehr Hamburger mit den roten Rädern…“

    Wie identifizierst Du denn Hamburger?
    In St. Georg fallen mir häfig Trupps von >=3 Radlern auf, die eher Touristen zu sein scheinen.

    Zum Abstellproblem I.: Das Unternehmen hat sich selbst kastriert, als es die Möglichkeit des ‚einfach an einer Straßenecke abstellen‘ nicht für Hamburg übernommen hat.

    Zum Abstellproblem II.: Ich hörte bereits mehrfach, dass man an einer vollen Station einfach per Telefon auschecken soll und das Stadtrad abgeschlossen (!) an der Station stehen lassen kann.

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