Strande am Rande der Welt

Das einzig mühselige am wochenendlichen Seglerleben ist der weite Weg zur Dusche. Gerade sonntags morgens schlurft man gerade erst halb lebendig über die Schlengel, grüßt automatisiert jeden Entgegenkommenden. Heute habe ich mich erschrocken, das erste Mal, als sich das Gesicht des mich grüssenden, „Moiiin“, langsam in einen guten Bekannten verwandelte. Ihm ging es genauso, das war ihm anzusehen, und zu hören, wenig später. „Mensch, oha, was machst Du denn hier?“, ja wir hatten uns beide entschlossen, dass ab diesem Sommer segeln angesagt ist. Er hatte sich dafür eine italienische Geliebte genommen, ein beeindruckendes und schnelles, und sehr junges Ding. Nicht zu vergleichen mit unserer Ohlson und fast 10mal so teuer.

Ich machte uns dann einen schnellen Mokka und schlenderte nach einem Seglerplausch und seinem Ablegen noch einmal zum Hafenmeister. Der hatte seine Sammlung Anti-Moschee-Aufkleber um ein Foto vom Sarrazin erweitert, seit meiner letzten Audienz (Hafenmeister sind wichtige Menschen, Herrscher über Liegeplätze). Ich wunderte mich ein wenig, sollte in Strande eine Moschee gebaut werden? Oder erfüllt sich hier wieder einmal die in Provinzen, wie Schleswig-Holstein, oft anzutreffende Regel, dass immer mehr Menschen gegen Fremde sich wehren, die am wenigsten Kontakt zu ihnen haben? Strande ist ein wenig verschlafen und lebt gut von seinen Gästen, von Fremden, die aber, wie sich das gehört, am Sonntag wieder verschwinden. Und im örtlichen Sparmarkt gibt es neuerdings HSV-Bier.

Nun sitze ich im Cockpit und heiße den Jolly Roger an der Backbord Saling, am Nachmittag verschwinde ich zurück nach Altona, zurück aus der schönen Fremde.

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