Todesgeplapper

#1
Jörg Sievers, der Torwarttrainer, schnappte einen stillen Moment lang nach Luft, bevor er sich fasste und antwortete:
„Das wäre reine Spekulation, was ich jetzt sage. Wir spekulieren eh sehr, sehr viel. Deswegen möchte ich auf diese Frage nicht antworten.“
(FAZ)

#2
„Sterben ist in aller Munde. Von einem Tabu kann nicht mehr die Rede sein. Aber muss man nicht gerade deswegen Verdacht schöpfen? Ist die mediale Allgegenwart, ist das öffentliche Geplapper über Sterben und Tod der Ausdruck für eine technisch-planerische Distanzierung vom Unfassbaren?

Seitdem der Eros aus seiner Verborgenheit herausgezerrt und zum allgegenwärtigen Sex wurde, ist seine Faszination geschwunden und droht in konsumistischer Banalität zu verflachen. Romeo und Julia kann es unter Marktbedingungen nicht mehr geben und eben deshalb – so scheint es – ist es auch nicht mehr möglich zu sterben. Wir befinden uns schon längst inmitten einer a-mortalen Gesellschaft, in der abgelebt, aber nicht mehr gestorben wird. Eine sterbefreie Zone. Der Tod des Sokrates, der den Schierlingsbecher trinken muss und sich in einem langen Gespräch von seinen Freunden und Schülern verabschiedet – unmöglich geworden. Die Hinrichtung des Sokrates wäre heute ein detailliert geplanter Ablauf, der für das Gespräch, in dem der Philosoph seine Zuhörer tröstet, keinen Raum mehr ließe.“
(Welt Debatte)

#3
Tod und Sterben in der Moderne – Eine Diskursanalyse der öffentlichen Diskussion um das Lebensende
Diplomarbeit; Abgabe August 2005; 104 Seiten, 635,8 KB ; Note 1,0; Sprache Deutsch
Ludwig-Maximilian-Universität München Deutschland

Eine Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.